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Globale Nachhaltigkeit und der Südliche Ozean

Nachhaltigkeit ist die Ethik eines Engagements für Fragen, die sich mit der richtigen Lebensweise beschäftigen. Nachhaltigkeit ist eine Ansammlung von Richtlinien von grundlegender Bedeutung und von Verfahrensrichtlinien für unseren richtigen Umgang mit der Biosphäre (Stratford, in Druck) Es geht dabei um ökologische Integrität, wirtschaftliche Sicherheit, sozialen Wohlstand, und die Übertragung von Mitbestimmungsrechten und Verantwortung (Institute for Sustainable Communities 2000). Der geschichtliche Hintergrund ist bekannt. Örtliche, regionale, nationale und internationale Besorgtheit über die Zerstörung der Wälder, Wasserknappheit oder Meeresverschmutzung haben zur Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit genauso geführt wie Globalisierung, wirtschaftlicher Rationalismus, die Verteilung natürlicher Ressourcen, Fragen der Gesundheit, des Wohlstands und des Gemeinschaftsgefühls.

 

Einige Nachhaltigkeitsprinzipien wurden in internationalen Konventionen wie der Agenda 21 (Vereinte Nationen 1992) oder in nationalen Strategien für nachhaltige Entwicklung wie dem Australian Intergovernmental Agreement on the Environment (Intergouvernementales Umweltabkommen) von 1992 festgeschrieben. Diese Prinzipien sind: (i) Integration, (ii) Beteiligung der Öffentlichkeit, (iii) Generationengerechtigkeit (iv) Vorsorge, (v) kontinuierliche Verbesserung und (vi) Erhalt der Vielfalt. Hier geht es sowohl um die kulturelle als auch um die biologische bzw. geologische Vielfalt (Stratford und Davidson 2002).

 

In weiten Kreisen fühlt man sich seit Jahrzehnten dem Modell der „Triple Bottom Line“ für nachhaltige Entwicklung verpflichtet, was die Prinzipien der Nachhaltigkeit untermauert. Analysten, Politiker, Industrie und andere Interessengemeinschaften haben dieses Modell rhetorisch angenommen. Sie halten es aber offensichtlich für weniger geeignet, wenn es um seine robuste Umsetzung auch gegen Widerstände geht.

 

Nachhaltigkeit und der Schwarze Seehecht

Der Fischfang des Schwarzen Seehechts (Dissostichus eleginoides) ist durch Unsicherheit gezeichnet. Die Lage und der Bestand dieser Art kann nicht genau bestimmt werden. Hinzu kommt, dass die Zahlen des Handels nicht aussagekräftig sind, da illegale, nicht berichtete und ungeregelte Befischung (IUU – illegal, unreported, unregulated) nur schwer überprüft werden kann.

 

Schätzungen zufolge wird der Seehecht durch die intensive kommerzielle Nutzung in weniger als 5 Jahren ausgestorben sein (WWF 2002). Diese Art, aber auch bedrohte Seevögel und Beifangpopulationen, können also nur dann überleben, wenn die Regierungen, die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR-Kommission), die Fischereiindustrie, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und die Verbraucher die IUU-Praktiken weiterhin wachsam beobachten.

 

Trotz der durch die CCAMLR-Kommission eingeleiteten Neuerungen geht der IUU-Fang des Schwarzen Seehechts unaufhaltsam weiter. Bei ihrem letzten Treffen in Hobart im Jahre 2002 machte die CCAMLR-Kommission auf die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines katastrophalen, steilen Rückgangs der Bestände aufmerksam, der droht, falls die IUU-Befischung nicht unter Kontrolle gebracht wird.

 

Man muss die CCAMLR-Kommission dazu beglückwünschen, dass sie den notwendigen Konsens für die Einführung von Schutzmaßnahmen herbeigeführt hat. Dazu gehören der Internationale Aktionsplan (IPOA) 2001, das Fangdokumentationssystem (CDS) und das Erstellen einer schwarzen Liste der an der IUU-Befischung beteiligten Schiffe . Dennoch war die Mehrheit der CCAMLR-Mitglieder entschieden gegen die kürzlich auf dem 21. Treffen der CCAMLR-Kommission Ende 2002 vorgeschlagene Aufnahme des Schwarzen und des Antarktischen Seehechts in die CITES-Liste unter Anhang II. Die Mitglieder begründeten ihre Ablehnung mit der Befürchtung, dass durch eine Aufnahme die Kompetenzen von CDS und CCAMLR untergraben würden (CCAMLR 2002; WWF 2002). Daraufhin nahm Australien seinen Vorschlag zu diesem Thema auf der darauffolgenden CITES-Konferenz (COP12) in Chile zurück (Kemp 2002).

 

Da der illegale Fang des Schwarzen Seehechts ein Niveau erreicht hat, das nach Ansicht der CCAMLR-Kommission und nationaler Regierungen nicht weiter tragbar ist, sehen sie in effektivem Management und der Regulierung dieser Bestände eine wesentliche Voraussetzung für das Überleben der Art (Agnew 2000). Die Kommission und die nationalen Regierungen müssen alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Betreuung dieser Fischart untersuchen. Dazu gehört auch die Ausweitung nachhaltiger Maßnahmen auf den Bereich kultureller Normen und Praktiken. Diese Normen und Praktiken, die zur Zeit die unbegrenzte Befischung und den Verbrauch als Massenware legitimieren, müssen geändert werden. Außerdem muss die Kommission von anderen internationalen Instrumenten Gebrauch machen, wie etwa von Konventionen und Leitfäden, um die eigenen Schutzmaßnahmen zu unterstützen und um sicherzustellen, dass das Potential aller Initiativen zur Bekämpfung der IUU-Befischung ausgeschöpft wird.

 

Nachhaltigkeit der Fischerei im Südlichen Ozean

Der Erhalt der marinen Ökosysteme ist in doppelter Hinsicht von Bedeutung: Erstens ist der Schutz dieser Systeme an sich wichtig, zweitens sind sie von unschätzbarem Wert für den Menschen. Zwar sind die marinen Ökosysteme ungeachtet ihrer sozialen, wirtschaftlichen oder umweltbezogenen Bedeutung für den Menschen bereits wertvoll, doch im Fall des Südlichen Ozeans ist es in der Regel der instrumentelle Wert dieser Ökosysteme, der die Maßnahmen für den Erhalt und die Überwachung der Einhaltung dieser Praktiken bestimmt. Aus instrumenteller Sicht ist es selbstverständlich wichtig, den langfristigen Schutz der marinen Ökosysteme für Freizeit, Inspiration und Wohlstand zu sichern (Ward 2000). Ihre Strukturen und Funktionen sollten soweit wie möglich in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten werden. Irreversiblen Veränderungen durch die ständige Nutzung oder negative Auswirkungen, welche verhindern, dass sich die Ökosysteme an natürliche Veränderungen anpassen können, sollten verhindert werden.

 

Aus instrumenteller Sicht beinhaltet der Schutz der marinen Ökosysteme eine Beurteilung der Art und Weise, wie Meeresressourcen genutzt werden könnten, sowie das Akzeptieren von Grenzen. Doch können nutzungsbezogene Werte nicht allein auf technischem oder ökologischem Wissen aufbauen. Es ist wichtig, Aspekte wie Angebot und Nachfrage sowie Produktion und Konsum zu berücksichtigen und zu verstehen, wie durch diese Aspekte Druck auf Einzelne oder auf Gruppen ausgeübt wird, so zu handeln, dass keine Grenzen eingehalten und Ökosysteme gefährdet werden.

 

Biophysikalische, sozioökonomische und kulturelle Auswirkungen der Nutzung von Ressourcen und Lebensräumen des Südlichen Ozeans sind von großer Bedeutung und bilden gemeinsam das politische Klima, in dem Managementstrategien für Ökosysteme und menschliche Systeme funktionieren müssen (Fallon, in Vorbereitung). Daher hängen Nachhaltigkeitsprozesse und -ergebnisse von Entscheidungen in Management und Politik ab, die auf die Unvorhersehbarkeit von Ökosystemen und sozioökonomischen Bedingungen abgestimmt sind und auf sie eingehen. Es geht bei der Nachhaltigkeit von marinen Ökosystemen also sowohl um soziale, kulturelle und wirtschaftliche Überlegungen als auch um Ökologie, Bevölkerungsdynamik und Umweltschutz.

 

Der Schutz des Schwarzen Seehechts und der Ressourcen und Werte des Südlichen Ozeans berührt jedes einzelne der Prinzipien der Nachhaltigkeit. Für den Erhalt der Arten und der Vielfalt dieses Lebensraumes ist es mindestens erforderlich, dass die Politik der Nachhaltigkeit auf allen Ebenen und in allen Bereichen Anwendung findet. Es sind außerdem Vorbeugung sowie ein hoher Kenntnisstand im Bereich der Ökologie nötig. Dabei handelt es sich nicht nur um formelle Erfordernisse, sondern um Fragen, die in ganz konkreter Weise Politiker, Bürokraten, Rechtsprechung, kommerzielle Fischerei und verwandte Industrien, NGOs, Fischereigemeinden, Wissenschaftler und Verbraucher betreffen. Darüber hinaus ist die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungsfindungsprozessen auf den verschiedenen Regierungsebenen und mit verschiedener räumlicher Ausdehnung erforderlich.

 

Ozeane und die hohe See gehören der Allgemeinheit. Unsere Aufgabe wird es daher sein, von der Vorstellung, sie gehörten Interessengemeinschaften, sei es aufgrund ihrer Souveränität oder aus wirtschaftlichen Gründen, zu einer Vorstellung zu kommen, wonach der Besitz gleichgestellt wird mit der Verpflichtung zur Pflege und zum Schutz. Der Trend muss zu einer Vorstellung gehen, wonach man sich im Interesse der Menschheit, der nicht vom Menschen bestimmten Natur und der Ökosysteme, um Regionen kümmert, die im Eigentum der Allgemeinheit stehen und von denen die Menschen, die dort leben abhängig sind.

 

 

Literaturverzeichnis

 

Agnew, D.J. (2000). The illegal and unregulated fishery for toothfish in the Southern Ocean, and the CCAMLR catch documentation scheme. Marine Policy, 24, 361-374.

 

CCAMLR (2002). Report of the twenty-first meeting of the Commission. Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR), Hobart, Australia.

 

Fallon, L.D. (work in progress). The role of state and non-state actors in the management of Patagonian toothfish (Dissostichus eleginoides). Unpublished Doctoral Dissertation, School of Geography and Environmental Studies, University of Tasmania, Hobart, Tasmania.

 

Institute for Sustainable Communities (2000). Accessed November 2002.

 

Kemp, D. (2002). Australia champions marine species protection at international conference. Media Release 19 November 2002, Minister for the Environment and Heritage, Commonwealth of Australia, Canberra, Australia.

 

Stratford, E. (in press). Tasmania Together and the rhetoric of island and development: Latent opportunities for agonism and innovation, World Development.

 

Stratford, E. and Davidson, J. (2002). Capital assets and intercultural borderlands: socio-cultural challenges for natural resource management. Journal of Environmental Management, 64, 1-12.

 

United Nations (1992). United Nations Conference on Environment and Development – Agenda 21. Accessed November 2002.

 

Ward, T.J. (2000). Indicators for assessing the sustainability of Australia's marine ecosystems. Marine Freshwater Research, 51, 435-446.

 

WWF (2002). Illegal trade will continue to decimate toothfish populations. Media Release 14 November 2002, World Wildlife Fund Australia, Sydney, Australia.

 

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