Auswirkungen verschiedener Fangtechniken auf den Schwarzen Seehecht

- Schwarzer Seehecht im Steert eines Schleppnetzes des Forschungsschiffes RSV Aurora Australis. (Photo: © C. Materia-Rowland)

- Wanderalbatross vom Haken einer Langleine in die Tiefe gezogen und ertränkt. (Photo: © G. Robertson)
Die Fischer nutzen verschiedene Fangmöglichkeiten im Südlichen Ozean. Der Fischfang des Schwarzen Seehechts erfolgt durch Trawler und Langleinen, auch Fangkörb wurden bereits ausprobiert.
Trawler
Es gibt prinzipiell zwei Arten des Trawling – am Boden und im Pelagial. Bis in die späten 1980er Jahre wurde der Fang des Schwarzen Seehechts ausschließlich mit Grundschleppnetzen durchgeführt. Jedoch gab es durch die Grundschleppnetze vermehrt nicht erwünschte Beifänge wie Gobionotothen gibberifrons (Gelbe Notothenia), verschiedene Eisfischarten und Rochen (Raja georgiana und Bathyraja spp.). Die Grundschleppnetze verursachen außerdem Umweltschäden durch Aufschürfen und Pflügen des Meeresbodens, was Ablagerungen wie auch die marine Fauna im und auf dem Meeresboden zerstört.
Langleinenfischfang
Bei der Langleinenfischerei wird eine Hauptleine (auch Grundleine oder Mutterleine genannt) mit vielen verschiedenen Köderhaken an Nebenleinen gelegt (Ashford 2001; Preston et al. 1998). Einige Langleinenfischer legen Leinen aus mit über 100 Kilometern Länge und mehr als 20.000 Köderhaken, wobei im allgemeinen die Länge und Anzahl der Köder sehr unterschiedlich ist. (Birdlife International 2001).
Langleinen können im Grundfischfang, pelagisch oder halbpelagisch eingesetzt werden. Für den Fang des Schwarzen Seehechts werden gegenwärtig drei Arten von Grundleinen angewendet (Ashford 2001), die Spanische und die Autolining/Mustad-Methode (Kock 2001; Alexander et al. 1997; Bjordal und Loekkeborg 1996) sowie eine weitere, die die Vorteile der Spanischen Methode und des Mustad-Systems vereinigt (ISOFISH 2002). Laut ISOFISH (2002) nutzen 80% der illegal fischenden Schiffe die Spanische Langleinenmethode, die im Unterschied zum Mustad-System, eine weniger teurere Ausrüstung benötigt. Siehe auch Fallon und Stratford (2003) zu Einzelheiten über Fischfang mit Langleinen über Grund.
Fischerei mit Langleinen am Meeresboden wird auch als „Grundfischerei“ bezeichnet, weil es auf Fische abzielt, die am Meeresboden oder in der Nähe leben (Bjordal und Loekkeborg 1996). Diese Technik wurde für den Fang des Schwarzen Seehechts 1985/86 eingeführt, 1988/89 war sie im kommerziellen Einsatz in South Georgia und seit 1991/92 um die Kerguelen Inseln (Kock 1994) . Das führte zu einem rapiden Anstieg der Ausbeute in den 1990er Jahren (Fallon und Kriwoken in press). Bei dieser Art des Fischfangs werden Leinen gelegt, die länger als 5.000 Meter sind, bestückt mit bis zu 5.000 Köderhaken, in Tiefen von 500 – 2.500 Metern (AAD 2001). Die Fangschiffe können bis zu 40.000 Köder pro Tag setzen und einholen.
Obwohl die Langleinenmethode eine effektive Technik ist, so ist sie doch nicht so hochselektiv wie gewünscht und bildet daher eine der größten Bedrohungen für andere Meereslebewesen und weitere Fischarten wie Rochen als auch für Seevögel. Die Langleinenfischerei zieht Seevögel auf der Suche nach Nahrung an (weggeworfener Beifang, Köder, Abfall). Seevögel werden im allgemeinen durch Köderhaken während des Setzens der Leine gefangen und ertränkt, wenn die Leine absinkt. An jedem Langleinenhaken kann Beifang hängen bleiben und laut Schätzung werden zwischen 1 und 10 Billionen Langleinenhaken weltweit jedes Jahr gesetzt (Birdlife International 2001)
Laut Kock (2001:46) ist das größte ungelöste Problem für den geregelten Fischfang im Südlichen Ozean der Beifang von Albatrossen und großen Sturmvögeln durch die Langleinenfischerei. Der Wandernde Albatross, der Schwarzbrauenalbatross und der Weißkinnsturmvogel sind wohl am meisten von diesem Fischfang betroffen (Croxall und Gales 1998), obwohl auch andere Arten wie Graukopfalbatross und Gelbschnabelalbatross gefunden wurden (Ryan und Watkins 2000). Nach Einschätzung der Ad hoc-CCAMLR Arbeitsgruppe, die sich mit den Folgen des Fischfangs befasst (WG-IMAG), liegt die Zahl des Seevogelbeifangs aufgrund illegalen Fischens in dem CCAMLR-Gebiet seit 1996 bei 278.400 bis 700.200 Individuen (Tab. 3, WG-IMAG 2002).
Tabelle 3: Geschätzter Gesamt-Seevogelbeifang im Zusammenhang mit illegaler Fischerei des Schwarzen Seehechts in dem CCAMLR-Gebiet.
Verlorene und zerstörte Leinen (von Langleinen und Trawlernetzen) können sich auch um Fische, Meeressäugetiere und Vögel schlingen, außerdem legen sich weggeworfene Schnüre von Köderbehältern wie „Halskrausen“ um Meeressäugetiere. Ein weiterer Effekt ist, dass durch Fischereiabfall auch ein Populationsanstieg einiger Seevogelarten hervorgerufen werden kann.
Literaturverzeichnis
AAD (2001). Seabird mortality on longline fisheries: What are longline fisheries? Australian Antarctic Division, Hobart, Australia, Accessed 18 December 2001.
Alexander, K., Robertson, G. and Gales, R. (1997). The incidental mortality of albatrosses in longline fisheries. A report on the workshop from the First International Conference on the Biology and Conservation of Albatrosses, Australian Antarctic Division, September 1995, Hobart, Australia.
Ashford, J.A. (2001). In support of a rationally managed fishery: Age and growth in Patagonian toothfish (Dissostichus eleginoides). Unpublished Doctoral Dissertation, Old Dominion University, Durham, UK.
Birdlife International (2001). Longlining statistics. The global seabird conservation program. Birdlife International, Accessed 10 July 2002.
Bjordal, Å. and Løkkeborg, S. (1996). Longlining. Fishing New Books, Cambridge University Press, Cambridge, UK.
Croxall, J.P. and Gales, R. (1998). An assessment of the conservation status of albatrosses. In Robertson, G. and Gales, R. (eds), The albatross: Their biology and conservation. Surrey Beatty and Sons, Chipping Norton, Australia. 46-65.
Fallon, L.D. and Kriwoken, L.K. (submitted). International influence of an Australian non-governmental organisation in the protection of Patagonian toothfish. University of Tasmania, Hobart, Australia.
Fallon, L.D. and Stratford, E. (2003). Issues of sustainability in the Southern Ocean fisheries: The case of the Patagonian toothfish. Report for the Lighthouse Foundation, School of Geography and Environmental Studies, University of Tasmania, Hobart, Australia.
ISOFISH (2002). Background longline fishing techniques: Patagonian toothfish profile. International Southern Oceans Longline Fisheries Information Clearing House (ISOFISH), Hobart, Australia, Accessed 22 February 2002.
Kock, K-H. (1994). Fishing and conservation in southern waters. Polar Record, 30(172), 3-22.
Kock, K-H. (2001). The direct influence of fishing and fishery-related activities on non-target species in the Southern Ocean with particular emphasis on longline fishing and its impact on albatrosses and petrels: A review. Reviews in Fish Biology and Fisheries, 11, 31-56.
Preston, G.L., Chapman, L.B. and Watt, P.G. (1998). Vertical longlining and other methods of fishing around fish aggregating devices (FADs): A manual for fishermen. Secretariat of the Pacific Community, Noumea, New Caledonia.
Ryan, P.G. and Watkins, B.P. (2000). Seabird bycatch in the Patagonian toothfish longline fishery at the prince Edward Islands: 1999-2000. Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR), Hobart, Australia, WG-FSA-00/30, p. 13.
WG-IMAG (2002). Incidental mortality of seabirds during unregulated longline fishing in the Convention Area: Working Group on Incidental Mortality Arising from Fishing. In the report of the Twenty-first meeting of the Commission. Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR), Hobart, Australia.
Übersicht
- Einführung
- Der Südliche Ozean
- Ausbeutung mariner Ressourcen
- Kommerzielle Meeresnutzung
- Antarktis und Antarktis-Abkommen
- Das Beispiel Schwarzer Seehecht
- Nutzungsdruck auf den Schwarzen Seehecht
- Auswirkungen verschiedener Fangtechniken
- Das Geschäft mit dem Schwarzen Seehecht
- Internationale Akteure
- Globale Nachhaltigkeit und der Südliche Ozean
- Die Autoren

