Überfischung - Raubzüge durch die Meere

Über Jahrhunderte scheint die Fischerei eine umweltverträgliche Sache gewesen zu sein. Die Fischer entnahmen dem Meer weniger, als nachwachsen konnte. An den Küsten der Nordsee jedoch waren die Auswirkungen der Fischerei schon Ende des 19. Jahrhunderts erkennbar. Damals gingen die Fangmengen für den damals wichtigen Schellfisch auf die Hälfte zurück und auch die Köpergrößen von Schellfischen und Schollen nahmen deutlich ab.

 

Fischerei setzt auf das hohe Fortpflanzungsvermögen der wirtschaftlich genutzten Arten, die sich durch eine hohe Zahl von Nachkommen an die hohen Sterblichkeitsraten im Meer angepasst haben. Durch diese natürliche Strategie können auch zusätzliche negative Umwelteinflüsse durch schnellere Wachstums- oder höhere Fruchtbarkeitsraten ausgeglichen werden.

 

Im nordöstlichen Atlantik sind 40 der 60 kommerziell wichtigsten Fischbestände "außerhalb sicherer biologischer Grenzen", d.h. sie sind stark überfischt.
Grundlegende Ursache für die Abnahme der Fischbestände und die Überfischung ist die Unfähigkeit, die Flottenkapazität zu kontrollieren und zu reduzieren.

Von dieser natürlichen Überschussproduktion kann der Mensch einen Teil entnehmen, ohne den Fortbestand der Fischart dauerhaft zu gefährden. Wird jedoch zu viel gefangen, können die Verluste nicht mehr in gleichem Umfang regeneriert werden. Der Fischbestand verringert sich durch Überfischung und je kleiner der Bestand wird, umso kleiner fällt auch der Zuwachs aus.

 

Ohne eine gleichzeitige Verringerung des Fischereiaufwandes kann die Überfischung zum Zusammenbruch der Population führen, was nicht unmittelbar zum Verschinden einer oder mehrerer Species führt, aber dennoch eine drastische Störung des ökologischen Gleichgewichtes darstellt, da jede Art im Nahrungsnetz des Ökosystems eine bestimmte Funktion hat. Sie üben gewissermaßen einen bestimmten Beruf aus, von dem andere Arten in anderen „Branchen“ des Nahrungsnetzes mehr oder weniger stark abhängig sind.

 

Zu viele Schiffe – zu wenig Fische

Wichtigste Ursache der Überfischung sind massive Überkapazitäten der Fangflotten, die zu hohem Fischereidruck auf die schrumpfenden Bestände führen: Zu viele Schiffe – zu wenig Fische.

 

Auch wenn es in der Vergangenheit immer mal wieder zum Zusammenbruch regional begrenzter Fischereien durch Überfischung gekommen ist, der Niedergang der globalen Seefischerei ist beispiellos und folgt dennoch einem bekannten Schema. Die Fischer entdecken einen ergiebigen Fischgrund, der nach und nach immer mehr Berufskollegen anzieht. Für eine Weile floriert das Geschäft, die Menge des angelandeten Fisches löst einen Boom aus.

 

Übersteigt der Fang die Reproduktionsraten der Fischpopulationen, geht deren Bestand zurück. Je schwieriger es wird, genügend Fische zu fangen, desto länger werden die Fangreisen und desto mehr wird in die Verbesserung der Ausrüstung investiert: größere Boote, größere Netze, elektronische Fishfinder. Die gesteigerte Effektivität des Fanggeschirrs lässt die Bestände noch schneller zurückgehen. Und mit teuren Darlehn im Nacken kostet die Jagd nach dem spärlichen Rest schließlich mehr als sie einbringt.

 

Die meisten Wissenschaftler sehen in der Überfischung einen wesentlichen Grund für den Rückgang der Seefischerei in vielen Meeresregionen, manche halten sie für die Hauptursache. „Zu viele Fischer und zu wenig Fisch“, ist der allgemeine Tenor. Und es mehren sich die Stimmen derer, die durch den anhaltenden Druck der Fischerei eine dauerhafte Störung der marinen Ökosysteme befürchten, was zukünftig zu einem Kollaps einer wachsenden Zahl von Fischgründen führen kann.

 

Weltweit sind 60 % der kommerziell wichtigsten marinen Fischbestände bis an ihre Grenzen befischt, überfischt oder erschöpft. Nur 25 Prozent der Bestände gelten derzeit als konstant – noch.

 

 

Mitgefangen - mitgehangen

Die höchste Rate an unbeabsichtigt mitgefangener Arten ist mit der Shrimp-Fischerei verbunden. (Photo: NOAA Central Library)

Die Verschwendung von Beifang

Mehr als 27 Mio. t Fisch und andere Meeresorganismen, also fast ein Drittel des weltweiten Fischfangs, geht jährlich als Beifang in die Netze der Fischereiflotten– und wandert umgehend als sogenannter Discard zumeist tot oder sterbend wieder zurück ins Meer. Beifang ist oftmals das Ergebnis unselektiver Fangausrüstung und Fischereitechnik und auch die Fanggründe unterscheiden sich hinsichtlich der zu erwartenden Beifangmenge.

 

Nicht nur unerwünschte oder zu kleine Fische, sondern auch Schildkröten, Seevögel, Robben, Wale, Delphine, die in den Netzen qualvoll verenden, werden ungenutzt über Bord geworfen. Oft ist das Verhältnis zwischen "erwünschtem" Fisch und Beifang geradezu absurd: Auf 1 Tonne Seezunge kommen ca. 11 Tonnen Beifang, beim Shrimps-Fang werden für 1 Tonne Shrimp gar bis zu 15 Tonnen Fisch getötet! Allein in der Shrimp-Fischerei fallen insgesamt etwa 16 Millionen Tonnen Beifang jährlich an.

 

Die Vermeidung und Minimierung von Beifang stellt hohe Anforderungen an das handwerkliche Können des Fischers und seine Ausrüstung. Über die Umfang des Beifangs entscheidet auch die Stellung des Fanggeschirrs oder der jeweilige Meeresbodentyp. Der Fischer muss Regionen mit Beständen unterschiedlicher Arten ebenso kennen wie bevorzugte Fischbrutgebiete und Jungfischbestände. Jeder Fischer weiß, dass Fische unterhalb einer bestimmten Größe - Schellfisch unter 25cm und Kabeljau unter 35cm - noch nicht gelaicht hat und er weiß auch, wie er sein Netz handhaben muss, um weniger kleine Fische zu fangen. Fische, die er heute als Beifang wegwirft und die ihm später fehlen werden.

 

Die Maschenweite der verwendeten Netze trägt dazu bei, unerwünschte Größenklassen vom Fang auszuschließen – oder eben alles mitzunehmen, was ihnen in den Weg kommt. Kleinmaschige Netze, wie sie in der Shrimp-Fischerei benutzt werden, erzielen ein besonders hohes Maß an Beifang, denn um die kleinen Krabben auch zu erwischen, verfangen sich bei jedem Hol bis zu 90 Prozent unerwünschte Arten im feinmaschigen Netz. Diese abfällig "Trash-fish" genannte Beute, geht üblicherweise über die Reling zurück ins Wasser.

 

Eine besonders verantwortungslose Methode ist das Fischen mit Treibnetzen. Als unsichtbare Vorhänge im Wasser schwebend und für Meeressäuger und viele andere Tiere nicht wahrnehmbar, treiben diese Netze mit der Meeresströmung oder dem Wind und fangen alles, was ihren Weg kreuzt: Haie, Schildkröten, Seevögel, Robben, Wale, Delfine und viele weitere Arten, die zu fangen nicht beabsichtigt ist, fallen ihnen zum Opfer. Obwohl die Verwendung von Netzen über 2,5 km Länge illegal ist, gibt es nach wie vor Netze von bis zu 50 Kilometer Länge, die ständig in den Meeren und Ozeanen treiben.

 

Nicht nur Netztypen wie Treibnetze oder Kiemennetze stellen durch den unkontrollierten Beifang eine ernste Bedrohung dar. Die Fischerei mit Langleinen ist eine weit verbreitete Technik, bei der an kilometerlangen Leinen tausende Haken befestigt werden. Auch bei dieser an sich sehr selektiven Fangmethode werden auch Tiere wie Seevögel und Meeresschildkröten mitgeangelt.

 

 

 

Fischerei im Südlichen Ozean

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