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Parameter und Indices Nachhaltiger Entwicklung

1. Nachhaltigkeit als Konzept

Die Hauptdimensionen zur Projekt-Prüfung und Projekt-Begleitung werden gebildet aus:
- Akteuren (in der Region und im Projekt)
- Inhalt des Projektes (zur Nachhaltigkeit in der regionalen Entwicklung)
- Veränderungsverfahren (gewählte Methodik).

Die drei Nachhaltigkeits-Dimensionen sind wegen ihrer Bedeutung einzeln auf der Hauptdimension "Inhalt der Nachhaltigkeit" hervorgehoben.

Zu "LF-Koordinaten Nachhaltiger Entwicklung"


Die Konzeption der nachhaltigen Entwicklung ist aus der Sorge um die Zukunft der Menschheit entstanden. Nachhaltigkeit meint dabei nicht nur Naturschutz oder Enthaltsamkeit um ihrer selbst Willen, Hauptgegenstand ist vielmehr eine Reflexion der Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer allgemeinen Umwelt. Dass moralische und ethische Prinzipien des Umgangs der Menschen miteinander sowie mit der belebten und unbelebten Welt hierbei eine wichtige Richtschnur und Orientierungshilfe bieten, steht außer Frage. Dennoch eröffnen sich Fragen nach den Kernannahmen des Nachhaltigkeitskonzeptes und deren kulturellen Wurzeln.

 

Wie schon 1972 in den „Grenzen des Wachstums“ beschrieben, geht das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung davon aus, dass die natürlichen Ressourcen endlich und nicht alle Produktionsfaktoren vollständig gegeneinander substituierbar sind. Darüber hinaus bezieht es Grundwerte des Umgangs zwischen Menschen und Staaten mit ein, wie Sie z.B. in der UN Charta oder der Menschenrechtskonvention niedergelegt sind, es reicht jedoch weiter und gründet sich auf allgemeine Konventionen zum Schutz der belebten und unbelebten Natur.

 

Dieses Konzept, das im wesentlichen westlich europäisch, amerikanischen Ursprungs ist, stimmt nicht unbedingt mit der kulturellen, religiösen oder ökonomischen Weltanschauung und der täglichen Erfahrung der Mehrzahl der Menschen auf diesem Planeten überein, es ist aber in der Realität gegenwärtiger politischer Willensbekundungen der Staatengemeinschaft und vieler Nationen verankert. Die Umsetzung weicht allerdings hiervon vielfach weit ab. Besonders die Akzeptanz dieses Konzeptes ist im ökonomischen Tagesgeschäft kaum gegeben.

 

Die Realität der wirtschaftlichen Konzeption für Staaten und Unternehmen, die auf einem kontinuierlichen quantitativen Wachstum beruht, ist nur schwer mit der Konzeption der Nachhaltigen Entwicklung in Übereinstimmung zu bringen. Der Übergang zu einem qualitativen Wachstum bleibt vielfach eine leere Worthülse.

 

 

2. Wie misst und beurteilt man Projekte?

Einführung IST und SOLL: Bei den Hauptdimensionen wird unterschieden zwischen einem IST des derzeitigen Zustandes und einem SOLL, das durch das jeweilige Projekt angestrebt wird.
Beispielhafte Darstellung: Für die Hauptdimension "Akteure" werden vier Aspekte dargestellt. Die Entsprechungen auf der IST- und SOLL-Achse sind beispielhaft ergänzt. Die Entsprechungen der anderen Achsen sind diesem Muster folgend selbst zu bilden.

Für die Beurteilung eines konkreten Vorhabens oder Projektes erwachsen zwei Herausforderungen. Einerseits geschehen viele Veränderungen, die mehr Nachhaltigkeit bewirken können, nicht über Nacht. So ändert sich der Ressourcenverbrauch an fossilen Brennstoffen statistisch belegbar erst im Verlauf von Jahren und auch ein Rückgang des Artenverlustes ist nicht spontan belegbar.

 

Andererseits hängen viele Faktoren auch stark voneinander ab oder können von globalen Trends überlagert werden. Wenn etwa durch die Schaffung von Schutzgebieten zwar die Lebensbedingungen bestimmter Fischarten gesichert werden, sich aber gleichzeitig die wirtschaftliche Situation der Fischer verschlechtert, um ein einfaches Beispiel zu nehmen, ist dies nicht unmittelbar gegeneinander aufzurechnen.

 

Dennoch lassen sich für konkrete Vorhaben geeignete Indikatoren auswählen, um zumindest den engeren Projekterfolg abzuschätzen und zu beurteilen. Die Auswertung an Hand von projektfremden Gesichtspunkten ist jedoch mühsam und zeitaufwendig und das beispielhafte eines Projektansatzes erschließt sich manchmal erst auf den zweiten oder dritten Blick.

 

 

Stärken und Schwächen eines Projekt-Ansatzes

 

Die Lighthouse Foundation hat versucht eine Matrix aufzubauen, die nicht nur die für ein Projekt allgemein wichtigen Parameter erfasst, sondern auch geeignet ist, Stärken und Schwächen eines Projektansatzes herauszuheben und möglichst auch später das Projektergebnis zu evaluieren

Aus Sicht der LF müssen in jedem Fall Aussagen zu den drei Sektoren nachhaltiger Entwicklung auf der regionalen Projektebene gemacht werden. Dazu kommen aus unserer Sicht Aussagen zu den Veränderungsverfahren, die mit dem Vorhaben in Zusammenhang stehen, wie auch zu den Beteiligten Akteuren und deren institutioneller Einbettung, denn nur durch die Einbettung in die Rahmenbedingungen eines jeden regionalen Entwicklungsprozesses kann ein ausreichendes Analyse- und Verständnisniveau erreicht werden, um die Frage der Nachhaltigkeit des Projektansatzes zu beantworten:

 

1. In was für einem Kontext findet das Projekt statt?

2. Was soll durch das Projekt erreicht werden?

3. Was hat sich während des Projektes verändert?

4. Was kann für diese Veränderungen verantwortlich sein?

 

Das von uns entwickelte Koordinatensystem ist nicht als Checklist zu verstehen. Es liefert eher einen Fragenkatalog, den die LF an potentiell Förderprojekte wie auch an eigene Vorhaben richtet, nicht um eine vollständige Klärung jedes einzelnen Punktes zu erreichen, sondern um vielmehr die Stärken und Schwächen eines Projektansatzes deutlicher herauszuarbeiten.

 

Wir halten dieses System darüber hinaus dafür geeignet, um Initiativen wie auch Regionen, die sich mit Nachhaltiger Entwicklung beschäftigen eine Richtschnur zu geben, die der eigenen Positionsbestimmung dient und auf notwendige Entwicklungsbereiche hinweist.

 

 

3. Datenbank für Indikatoren Nachhaltiger Entwicklung

Über die Suchmaske können in der Datenbank die Kriterien zur Auswahl der Indikatoren festgelegt werden.


Weltweit sind eine große Anzahl von objektiven Nachhaltigkeitsindikatoren in der Anwendung und auch verschiedene soziale Indikatoren werden diskutiert. Meist handelt es sich jedoch um naturwissenschaftliche Parameter, die zudem häufig auf einer aggregierten Metaebene ansetzen. Eine prinzipielle Vergleichbarkeit und ein vergleichbarer Regionalbezug ist meist nicht gegeben. Der Nachhaltigkeitsindex für Hamburg ist daher nur schwer mit dem von z.B. San Francisco zu vergleichen.

 

Zahlreiche regionale oder lokale Indices entziehen sich jeder Vergleichbarkeit. Gemeinsam ist den meisten dieser Indikatoren ein Schwerpunkt in den Bereichen Umwelt und Wirtschaft, da hier auch am augenfälligsten statistisches Datenmaterial mit relevantem Inhalt identifiziert und ausgewertet werden kann. Indikatoren, die einen fortlaufenden Prozess hin zu nachhaltigen Lebensweisen abbilden, sind dagegen kaum entwickelt.

 

Um auch den sozio-kulturellen Sektor in das Konzept der Nachhaltigkeit zu integrieren, müssen zusätzlich subjektive "weiche" Faktoren erfasst und berücksichtigt werden. Dabei stellt sich ein bis heute ungelöstes Problem: Es fehlen weitgehend die theoretischen Grundlagen einer systematischen Integration von objektiven und subjektiven Daten. Auch integrative Ansätze wie das SD-Dashboard liefern für die Projekt- und Regionalebene kaum noch relevante Informationen, da durch die hohe Aggregation der Daten zwar eine interregionale Vergleichbarkeit gegeben ist, die Rückverfolgung zu den Ursachen der Bewertungen aber erschwert ist. Ein Meeresbezug, wie er aus Sicht der LF bedeutsam wäre, ist nicht mehr gegeben.

 

Das Koordinatensystem Nachhaltiger Entwicklung und die Zusammenstellung geeigneter Indikatoren in einer Datenbank ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projektes der Lighthouse Foundation und dem Hamburgischen Institut für Arbeitswissenschaften und Organisationsentwicklung (HAO).

 

 

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