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Multi-Stakeholder Consultation for Anti-Dynamite Fishing Campaign

Fischen mit Sprengstoff ist in tansanischen Gewässern an allen Abschnitten der Küste von Mtwara im Süden bis nach Moa im Norden verbreitet. Es ist aus heutiger Sicht sogar weiter verbreitet in Tansania als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte und fast zur Fischerei „as usual“ geworden. Das Mwambao Coastal Community Network Team führte eine Multi-Stakeholder-Konsultation durch.

 

Das Titelbild der Studie (zum Download anklicken (pdf, 1.9 MB)

Entlang der Küste Tansanias wurden über zwei Wochen im April 2014 verschiedene Beteiligte des Fischereisektors zwischen Mtwara an der südlichen Grenze zu Mosambik und Moa an der nördlichen Grenze zu Kenia besucht. Gespräche fanden mit den Dorfbewohnern, der Fischereiverwaltung, Regierungsbeamten, Privathoteliers, Betreibern von Tauchbasen, Fischverarbeitern, NGOs und anderen Vertretern beteiligten Sektoren statt. Die dabei gesammelten Kommentare und Empfehlungen wurden dokumentiert und, wo immer möglich, wurden Zeugenaussagen auf Video aufgezeichnet. Die Ergebnisse werden außer in einem Bericht auch als einstündiger Videofilm zusammengefasst.

 

Ein Schlüsselstellung scheinen wichtige Städte wie Mtwara, Dar es Salaam und Tanga zu haben, denn die meisten Operationen von Dynamitfischerei gehen von hier aus, Hand in Hand mit leistungsstarken, gut vernetzten Geschäftsleuten, weiteren Finanziers und mit Küstenbewohnern als Besatzung. Diese Orte sind auch die Absatzmärkte für Fische, die auf diese Weise gefangen wurden. Auch Fischer in den Dörfern wenden die Methode, nicht nur von eigenen Booten aus, an. Die Tourismusbranche ist besorgt über die Auswirkungen auf die Umwelt und ihre Unternehmen, nicht zuletzt über die Sicherheit ihrer Gäste. Sporttaucher im Wasser fühlen sich unsicher fürchten um ihre körperliche Unversehrtheit. Besucher des Landes finden es schwer zu begreifen, dass diese Praxis offenbar weiter zugelassen wird. Es besteht große Sorge, dass Tansanias Ruf als sicheres Reiseziel in Gefahr ist.

In den Gesprächen wurden die Initiativen aus Vergangenheit und Gegenwart gegen das Dynamitfischen und deren Effektivität zusammengestellt und den verschiedenen Interessenvertretern zur Verfügung gestellt. Schlüsselfaktoren für den Betrieb der Fischerei mit Sprengstoffen sind die leichte Verfügbarkeit von billigen Materialien zur Herstellung von Sprengkörpern, wohlhabenden ‚Paten‘, die die Operation finanzieren und den Fisch vermarkten, der Mangel an lokaler Verantwortung für die Meeresressourcen, durch nicht funktionierende Beach Management Units (BMU) als Selbstorganisationen der Fischer, unwirksame Strafverfolgung als Folge korrupter Richter und einer mangelnde Wahrnehmung in Bezug auf die Schwere des Verbrechens sowie der fehlende politische Wille auf allen Ebenen.

 

Darüber hinaus gibt es verständlicherweise eine mangelnde Bereitschaft in der Fischerei Development Division des tansanischen Fischereiministeriums, ein derartiges Sicherheitsproblem auf eigene Faust und ohne Rückendeckung von anderen Strafverfolgungsbehörden aufzugreifen. Es gibt Verwirrung und Widerstände in Bezug auf die Durchsetzung von Zuständigkeiten und es mangelt an Klarheit darüber, auf welcher Gesetzesgrundlage die Strafverfolgung stattfinden kann. Ein harter Kurs und undifferenzierte Taktik, wie von der Marine praktiziert, haben sich als nur kurzfristig wirksam gezeigt, sind aber nicht als die Lösung anzusehen.

 

Alternative Einkommensquellen und die Bereitstellung von Schiffen und revolvierende Fonds usw. haben sich als nicht wirksam erwiesen. Die Fischers haben Schwierigkeiten mit der Rückzahlung von Krediten, und oft ist es der Kriminelle, der für schlechte Praxis belohnt wird als der gutgläubige Fischer, der nachhaltige Fangmethoden verwendet. Die Fischers sind sich sehr wohl bewusst über die schädlichen Auswirkungen der Dynamitfischerei auf die Umwelt – an der sie aber festhalten, weil sie arm sind und durch die schnellen Renditen gelockt werden. Sie sind weitgehend als „Bauern“ in einem größeren Spiel. Lokale Armut und fehlende Verantwortung für die Nutzung der eigenen marinen Ressourcen fördern die weitere Verwendung von Explosivstoffen in der Fischerei. Dringend notwendig als kurzfristige Lösungen sind:

  • Rückverfolgung der Lieferkette von Materialien zur Bombenherstellung, insbesondere Explosivgel und Zündkapseln
  • Sensibilisierung von Entscheidungsträgern, Führern politischer Parteien
  • Verfolgung von Rädelsführern in den Netzwerken der Dynamitfischerei
  • Klärung der rechtlichen Verfahren, der anzuwendenden Gesetze und Strafen und deren Durchsetzung
  • Übersetzung der einschlägigen Rechtsvorschriften in Kiswahili und deren Verbreitung über die Medien an die Beteiligten
  • Reaktivierung des privaten Tansania Dynamite Fishing Monitoring Network.

 

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Lösung des Problems Dynamitfischerei auch dazu dienen kann, andere Formen der zerstörerischen Fischerei anzugehen. Zusätzlich zu den oben erwähnten kurzfristigen Maßnahmen, sind längerfristig ebenso wichtig:

  • Überprüfung der Rechtsvorschriften, Unklarheiten beseitigen und Erhöhung der Strafen.
  • Schulung von Beamten in Justiz, Polizei und Verwaltung.
  • Aufbau von Kapazitäten in den BMU und Village Liaison Committees (VLC) zur lokalen Steuerung und Entscheidungsfindung.
  • Förderung traditioneller Verfahren.
  • Förderung der Mehrfach-Inspektionspunkte in jedem Küstenrevier.
  • Systematische Einbeziehung der Beteiligten, des Privatsektors und der Gemeinden.

 

Eine gesunde, sichere und prosperierende Küstenumwelt mit einem aktiven Geschäftsklima und ohne zerstörerische Fischerei, stützt sich auf den politischen Willen auf allen Ebenen, die Wahrung des Rechts durch ein nicht korruptes Strafverfolgungs- und Justizsystem, zügige und angemessene Bestrafung der Täter, ein mündiges und lebendiges Gemeindeleben, den unterbundenen Zugang zu Materialien für die Bombenherstellung, regelmäßige Inspektion der Fischanlandungen, keine Märkte für Fisch aus Dynamitfischerei und eine klare Vorstellung von den Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für die Kontrolle und Überwachung. Ohne Lösung dieser Faktoren wird die Fischerei mit Sprengstoffen auch weiterhin in Tansanias Küstengewässern zu Lasten der Menschen, der Umwelt, Wirtschaft und Tourismus und eines Rufs als sicheres Reiseziel stattfinden.

 

Neben einem ausführlichen Bericht, der auch über die Webseite der Stiftung online erhältlich ist und einem bislang dreiteiligen Newsletter wurden die Projektförderungen durch International Union for Conservation of Nature (IUCN), BEST-Dialogue Tanzania und Lighthouse Foundation auch für die Produktion einer etwa einstündigen filmischen Zusammenfassung eingesetzt. Daraus sollen in der Folge nun kurze Clips geschnitten werden, die zur weiteren Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden können und mit englischen Untertiteln versehen sind.

 

Projektpartner:

Mwambao Coastal Community Network (MCCN)

Represented by Lorna Slade

P.O. Box 3810,

Zanzibar, Tanzania

 

LF-Project:

Malaysia: Dynamitfischerei ist trotz Verbot verbreitet