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Frisch vom Fischer: Der Fischeinkaufsführer für Vorpommern und Rügen

Die Fischerei ist ein Kulturgut und prägt noch heute die Häfen in Vorpommern-Rügen. Dabei haben sich die Fangmethoden der kleinen Küstenfischerei seit Jahrhunderten kaum verändert und sind angepasst auf die sensiblen Ökosysteme der Boddenlandschaft.

 

Ein Bericht von Nicole Knapstein

 

Auch wenn die Gruppe der Menschen, die von der Fischerei leben, nicht mehr groß ist, hat sie doch eine zentrale Bedeutung für die Region und darüber hinaus. Ohne die Fischer wären nicht nur die kleinen Häfen ohne Seele und gerade für Touristen weniger attraktiv. Auch die nachgeordneten Betriebe – Verarbeiter, Händler, Handwerksbetriebe – wären ohne Arbeit. Ohne die Fischer könnte niemand mehr frischen, regionalen Fisch genießen. Und wenn die kleine Küstenfischerei verschwände, würden auch die traditionellen, nachhaltigen Fangmethoden aufgegeben zugunsten der industriellen Fischerei.

 

Die 52-seitige Broschüre gibt Adressen und Kurzportraits direktvermarktender Küstenfischer und informiert über Fisch und Küstenfischerei in Vorpommern-Rügen

Vielfach sind es ökonomische Gründe, die Fischer zum Aufgeben zwingen und auch den Nachwuchs  abhalten, Fischer zu werden. Immer wieder raten Eltern den eigenen Kindern davon ab, die Familientradition weiterzuführen. Sie glauben nicht mehr, dass die Kinder ihren Lebensunterhalt davon bestreiten können. Die wirtschaftlichen Grenzen werden gesetzt über die Quoten, die insbesondere für Jungfischer nur schwer zugänglich sind, und den geringen Preis, den der Handel zahlt. Verschärft wird die Preisdiskussion für die Heringsfischer noch durch die ausbleibende Anerkennung durch den MSC (Marine Stewardship Council). Fisch ohne dieses marktbestimmende Siegel wird von den großen Einzelhandelsketten nur noch unter Wert bezahlt oder gar nicht mehr akzeptiert.

 

So ist die Direktvermarktung des frischen oder veredelten Fischs  eine echte Chance für die kleinen Küstenfischer, ihre ökonomische Situation zu verbessern. Wenn sie den Fisch direkt an den Endkunden verkaufen, erhalten sie einen fairen Preis und benötigen zudem keine zusätzliche Zertifizierung.

 

Der Weg zum Fisch

Zu wissen, welcher Fischer wo und wann seinen Fang verkauft, ist aber selbst für Ortskundige oft nicht einfach. Die Fischer selbst machen wenig Werbung. Und ein Einkaufsführer, wie es ihn zum Beispiel für die Bio-Branche bundesweit gibt, fehlte bisher. So entstand die Idee, in einer Region, in der noch viele Küstenfischer direkt vermarkten, solch eine Übersicht zu schaffen. Dabei war der schwierigste Teil der Arbeit die Recherche der richtigen Adressen. Weder die öffentlichen Stellen noch der Fischereiverband verfügen über Informationen, welche Fischer in der Direktvermarktung aktiv sind.

 

Zusammengefasst wurden die Ergebnisse der Recherche, die viele Vor-Ort-Gespräche mit den Fischern einschloss, in einer ansprechenden wie hochwertigen Broschüre. Jede Adresse ist ergänzt um Serviceinformationen sowie kurze persönliche Portraits der Fischer. Darüber hinaus erfährt der Leser, welcher Fisch im Bodden und in der Ostsee gefangen wird und wann er Saison hat. Beschrieben werden außerdem die nachhaltigen Fangmethoden der kleinen Küstenfischerei. Ein Blick in die Vergangenheit ebenso wie Essays zur Bedeutung der Küstenfischerei machen das Bild rund. Die Texte werden begleitet von Aufnahmen der Fotokünstlerin Iwona Knorr, die über Jahre hinweg sehr einfühlsam das Leben der Küstenfischer mit ihrer Kamera begleitet hat. Erhältlich ist die Broschüre über die Fischer selbst, in den Tourismusinformationen der Region und über den Projektträger landaktiv, den Verein für ökologische Landwirtschaft, umweltgerechte Fischerei und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern www.landaktiv-mv.de.

 

 

Projektpartner:

landaktiv

Verein für ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Fischerei und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern e. V.

 

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Jahresbericht 2014