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Beachexplorer – was man am Strand so findet

Die Strände der Ostseeküste unterliegen einer starken touristischen Nutzung, die bei intensivem Badebetrieb den dort lebenden Pflanzen und Tieren kaum Überlebenschancen bietet. Küstenschutz oder Vögel werden oft noch berücksichtigt, die heimische Flora und Fauna wird dagegen eher selten in Betracht gezogen. Viele Strandbesucher wissen nicht, wer unter dem Badehandtuch krabbelt.

 

Ein Bericht von Rainer Borcherding

 

Von der Muschel über den Krebspanzer bis zum Plastikhandschuh - es gibt sehr viel, was die Nordsee anspült, und über viele dieser Funde ist noch viel zu wenig bekannt. Diese Wissenslücken soll das neue Internetportal Beachexplorer schließen.

 

Schutzstation Wattenmeer und die Lighthouse Foundation haben im Jahr 2013 intensiv an der Konzeption des gemeinsamen Internetportals gearbeitet. Der Beachexplorer bietet eine neuartige digitale Bestimmungshilfe für über 1000 verschiedene Arten von Strandfunden. Mit nur wenigen Klicks ist es möglich, natürliche Strandfunde aller Art und auch Meeresmüll zu klassifizieren und identifizieren.  Zu jedem Strandfund gibt es Steckbriefe und Hintergrundinformationen. Außerdem bietet das Portal die Möglichkeit, die Funde in eine Datenbank zu melden. So soll über die Jahre ermittelt werden, wo welche Dinge angespült werden und ob sich die Häufigkeit mit dem Klima oder mit Meeressschutzmaßnahmen ändert.

 

Die Projektidee für den Beachexplorer gab es schon seit 2006, sie war bei einem Treffen der Wattenmeer-Bildungszentren in Holland entstanden. Allerdings war die Idee der Zeit noch etwas voraus. Erst mit der Ausbreitung von Smartphones und dem Erfolg von ähnlichen Projekten an Land, z.B. Ornitho.de und naturgucker.de, gelang es schließlich 2012, eine Projektförderung aus Bundesmitteln einzuwerben. Das Bundesumweltministerium fördert nun über zwei Jahre den Beachexplorer aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Die Programmierung der Webiste und einer App wurden ausgeschrieben, und seither wird hinter den Kulissen eifrig getippt und getextet.

 

Der Bestimmungsschlüssel, der es sowohl Anfängern als auch geübten Strandläufern ermöglichen soll, möglichst viele Tier-, Pflanzen- und Strandmüllarten zu erkennen, ist seit November im Test. Im Gegensatz zu normalen Bestimmungsbüchern bietet der Schlüssel jeweils bis zu neun Fotos verschiedener Strandfunde neben einander, von denen einer ausgewählt und angeklickt wird. Auf der nächsten Ebene stehen wieder neun Kategorien zur Auswahl, und nach spätestens sieben Klicks ist man in jedem Fall am Ziel angekommen. Dort öffnet sich ein Artensteckbrief, der in Kurzform die Häufigkeit, Verbreitung und Lebensweise jeder Art darstellt. Bis zum Projektende sollen auch Langsteckbriefe der Arten entstehen, die jeweils noch tiefer gehende Informationen bieten. All das soll auch auf Englisch, Dänisch und Niederländisch angeboten werden, denn die Nordseenatur kennt keine Grenzen. Auch aus den anderen Wattenmeerstaaten und für ein weltweites Publikum soll der Beachexplorer nutzbar sein.

 

Die Funddatenbank, die als letzter Projektteil 2014 in die Programmierung geht, wird eine Meldung aller Arten von Funden ermöglichen, sowohl über eine App vom Strand aus als auch von zu Hause via PC oder Tablet.  Das Projekt naturgucker.de, mit dem der Beachexplorer kooperiert, hat innerhalb weniger Jahre bereits über vier Millionen Fundmeldungen von Tieren und Pflanzen an Land gesammelt. Durch die Zusammenarbeit beider Portale sollen Strandurlauber an die Idee der Naturkunde mit Internethilfe heran geführt werden. Wer beim Beachexplorer daran Spaß findet, kann später an Land beim naturgucker weiter machen.

 

Der Webstart des Beachexplorers – zunächst noch ohne die Funddatenbank, aber mit Bestimmungsgang und Artensteckbriefen, soll im März 2014 erfolgen: www.beachexplorer.org

 

 

Projektpartner:

Schutzstation Wattenmeer

Ha­fen­stra­ße 3

25813 Hu­sum

 

Projektseite:

www.beachexplorer.org

 

Berichte:

Bericht 2013