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Myanmar: Impulse durch Naturschutz und Tourismus

Mit Unterstützung der lokalen Naturschutzorganisation Sittwe Bird Lovers etabliert sich im Norden von Myanmar ein Projekt für Naturschutz und Tourismus. Zum Schutz von Vogelarten wurden Fangrechte aufgekauft und die Naturbeobachtung gefördert.

 

Ein Bericht von Christoph Zöckler

 

Unser Partner Ren Nou Soe hat vor Ort einen Naturschutzverein aufgebaut, der neben einigen jungen Mitgliedern aus der Regionalhauptstadt Sittwe auch Mitglieder unter der Inselbevölkerung von Nan Thar gefunden hat. Das Naturschutzprojekt ist weiter aktiv mit viel Initiative und Ideen, die engagiert umgesetzt wurden. Die Sittwe Bird Lovers (SBL) haben sich dem Schutz der heimischen Vögel und der Natur gewidmet und setzen einen Schwerpunkt auf Umweltbildung für die lokale Bevölkerung. Der Schutz des vom Aussterben bedrohten Löffelstrandläufers und anderer Küstenvögel an der Küste von Arakan (Rakhine) im Nordwesten von Burma ist der neuen Organisation ein großes Anliegen. Ren und seinen Mitstreitern ist sehr wohl bewusst, dass ein Schutz nur im Einvernehmen mit der lokalen Inselbevölkerung erreicht werden kann.

 

Die Insel Nan Thar liegt vor der Küste unweit der Grenze zu Bangladesch. Ren hat die Insel seit 2010 mehrfach besucht und bei der Gelegenheit einen Fragebogen eingesetzt, um das Ausmaß und die Bedeutung des Vogelfang für die Menschen in der Region zu untersuchen.

 

Erfolge durch Jagdberuhigung

Seit März 2009 ist die Insel jagdbefriedet, was bereits zu einem sichtlichen Anstieg der Zahl überwinternder Enten (sibirsche Spießeneten) geführt und sich möglicherweise sogar schon auf den Löffelstrandläufer ausgewirkt hat. Während in den Wintern 2009 und 2010 nur max. 14 Vögel registriert werden konnten, ist die Zahl im Winter 2011 auf 22 angestiegen. Zudem sind auch noch bis Ende April, also sehr spät im Jahr, zwölf Löffelstrandläufer auf der Insel beobachtet worden. Darunter waren unausgefärbte Individuen, die möglicherweise auf vorjährige Tiere und auf einen guten Bruterfolg hinweisen. Diese Entwicklung wäre mit Sicherheit ohne die Jagdberuhigung nicht möglich gewesen und ist damit ein großer Erfolg nicht nur für die bedrohte Art, sondern auch für die Inselbevölkerung, die zunehmend stolz auf ihre seltenen Mitbewohner ist.

 

Um die Jagdruhe auch deutlich anzuzeigen hat Ren mit Mithelfern mehrere Schilder auf der Insel errichtet. Sie weisen auf das Verbot der Wasservogel- und Schildkrötenjagd hin.

 

Erneute Verhandlungen mit dem zuständigen Jagdbeauftragten über eine Einigung zum Erwerb der Jagdrechte waren zwar wieder schwierig, da es Mitbewerber aus dem Kreis der Jäger in der Nachbarschaft gab, dennoch konnten die Rechte durch SBL und Biodiversity and Nature Conservation Association (BANCA) für ein Jahr erworben werden. Die Insel Nan Thar ist im Besitz einer Familie früherer Militärs, die nur sehr unwillig die Rechte abgeben will. Die Kosten konnten durch die Einnahmen aus den Touristenbesuchen, die in einen Fond fliessen, beglichen werden.

 

Schutz des Indischen Scherenschnabels

Der ebenfalls global gefährdetet Indische Scherenschnabel (Rhynchops albicollis) geht weiterhin stark in seinem Bestand zurück und ist ebenfalls von Nachstellungen durch die Fischer bedroht. 2008 waren noch 27 Tiere beobachtet worden, später nur noch acht Exemplare des auf weniger als 5000 Individuen geschätzten Bestandes. Ren hat sich hier mit gleichem Engagement in eine Aufklärungskampagne in die Dörfer begeben und versucht weiterhin mit den Einheimischen einen Schutz für den seltenen Wasservogel zu erreichen. Eine gemeinsame Publikation hierzu ist geplant.

 

Öffentlichkeitsarbeit

In August und Oktober hat Ren jeweils zwei Workshops zusammen mit Freunden von der Insel in benachbarten Dörfern unternommen. Ren hat sich um die Erstellung von T-Shirts gekümmert, die rechtzeitig zur internationalen British Birdfair fertiggestellt und verkauft wurden. Dort hat ArcCona erfolgreich das Projekt präsentiert und eine Publikation im deutschen Journal Der Falke erreicht, in der Nan Thar als Reiseziel beworben wird und die Lighthouse Foundation erwähnt wird. Eine weitere wissentschaftliche Zusammenstellung ist für das nächste Bulletin der Wader Study Group geplant.

 

Den größten Erfolg erreicht Ren jedoch unter den Einheimischen, die einen gewissen Stolz auf die seltenen Seevögel entwickeln. Ren selbst sieht sich als der erste im Lande, der den Löffelstrandläufer im Brutkleid beobachtet hat. Ich denke, dass mit Ren eine starke Verbindung zum Schutz der natürlichen Umwelt erreicht worden ist, die sich hoffentlich weiter multiplizieren wird.

 

Entwicklung und Ausbau des Tourismus

2010 besuchte eine erste Touristengruppe die Insel Nan Thar

Mittelfristig sollen die Einkünfte der Inselbevölkerung durch den Ausbau des Naturtourismus natürlich gestärkt werden. Leider sind wegen der beiden zeitlich eng aufeinander folgenden Stürme keine Genehmigungen für Nan-Thar-Besucher erteilt worden, so dass die Zahl der Touristen noch sehr klein geblieben ist. Dennoch konnten mit Hilfe der Lighthouse Foundation die Infrastruktur sowohl für Touristen als auch die Einheimschen verbessert werden. So wurden Toiletten und Sonnnenschutz errichtet, ein Brunnen gebaut und weitere kleine Verbesserungen im Ort bewerkstelligt.

 

Zwar sind die ersten Bauten ebenso wie fast alle Behausungen auf der Insel durch die tropischen Stürme im Oktober zerstört worden, die nun erst wieder errichtet werden mussten. Glücklicherweise ist aber kein Inselbewohner zu Schaden gekommen.

 

Weitere organisierte Touren sind für den kommenden Winter auch in benachbarte Gebiete mit ähnlichen Naturschutzproblemen aber attraktiven Vogelarten geplant. ArcCona wird weiterhin Reisen anbieten und organisieren und hat sich hierzu mit dem britischen Reiseveranstalter ‚Bird Holidays‘ zusammen getan.

 

Nächste Schritte

Es gibt die Möglichkeit die ganze Insel für ca. 10.000 USD auf 30 Jahre zu pachten. Dies würde Sicherheit für die lokale Bevölkerung, aber auch Jagdruhe auf lange Sicht bedeuten. Um die Jagd auch in einem weiteren Umkreis zu beruhigen hat BANCA ein Expertenteam in die Region gesandt, um dort ebenfalls wie an anderen Küsten, eine sozio-ökonomische Evaluation durchzuführen. Ren ist mit einbezogen und die Ergebnisse werden im Laufe dieses Sommers erwartet.

 

Mit Hilfe einer kleinen Unterstützung durch die Species Task Force und weiterer Hilfe durch ArcCona kann Ren die Insel auch über die Sommermonate weiterhin regelmäßig besuchen und ein Monitoring durchführen.

 

 

 

Projektpartener:

Arccona Ecological consulting

Dr. Christoph Zöckler

Cambridge CB3 0HY

30 Eachard Road

Great Britain

cz@arccona.com