Test Design Lighthouse


Malaysia: Dynamitfischerei ist trotz Verbot verbreitet

Abgesehen von der immensen biologischen Vielfalt sind Korallenriffe auch von hohem Wert für Fischerei, Küstenschutz und Tourismus. Aber diese Werte sind in ernster Gefahr. Wissenschaftler schätzen, dass 19 Prozent der Riffe bereits zerstört sind und weitere 35 Prozent bis 2050 verloren gehen könnten - auch durch das immer noch verbreitete Fischen mit Dynamit.

 

Der Tun Sakaran Marine Park wurde im Jahr 2004 wegen seiner besonderen naturräumlichen Ausstattung und seiner biologischen Vielfalt gegründet. Über viele Jahre hatten Fischer in diesem Gebiet mit Dynamit gefischt. Trotz drohender Geldbußen und hohen Gefängnisstrafen und trotz des hohen persönlichen Verletzungsrisikos war diese Methode der „Fischerei“ beliebt, weil sie schnell ist, verhältnismäßig einfach und einen großen Fang verspricht. Und noch immer wird im Schutzgebiet mit Dynamit gearbeitet, die Taktik der Fischer ist listenreich, um nicht erkannt oder verhaftet zu werden.

 

Wenn ein Sprengkörper explodiert werden die Korallen und damit die Schutzräume und Futterplätze der Fische und vieler anderer Organismen völlig zerstört. Viele der geschädigten Riffe können sich nie vollständig erholen. Dies wirkt sich auch auf die verantwortungsbewussten Fischer aus, die auf intakte und gesunde Riffe zum Erwerb ihres Lebensunterhalts und den täglichen Bedarf angewiesen sind. Dynamitfischerei setzt den ökologischen Wert der Riffe herab, vernichtet sie sogar und beeinträchtigt nachhaltig die biologische Vielfalt mit weitreichenden Folgen auch für Tourismus und die lokale Wirtschaft.

 

Die Rahmen werden in der Werkstatt vorgefertigt
Taucher bringen einen Korallenrahmen auf einem verwüsteten Riff in Position

Making a difference

Das Ziel des Projektes ist es, die Verwendung von Dynamit in der Fischerei zu beenden und einen konkreten Beitrag zur Erholung der Korallenriffe, die bereits beeinträchtigt oder zerstört wurden, zu leisten. Daran gekoppelt sind Bildungsmaßnahmen, eine verbesserte Durchsetzung der bestehenden Gesetze und die Beteiligung der Bevölkerung.

 

Die langfristigen Auswirkungen der Dynamitfischerei werden oft nicht ausreichend gewürdigt und die allgemeine Wahrnehmung der Menschen in Region ist, dass das Meer und die Riffe wie selbstverständlich auch weiterhin für den täglichen Bedarf sorgen werden. Die Beratungs- und Sensibilisierungselemente des Projektes werden sich auf die Wissensvermittlung konzentrieren und die Folgen der Dynamitfischerei auf die Artenvielfalt, die Ernährungssicherung und die wirtschaftliche Entwicklung vor Augen führen. Das Projekt bedient sich dabei auch technischer Instrumente, darunter ein Riff-Schutzsystem, um Detonationen zu registrieren und weitergehende Maßnahmen einzuleiten. Schon jetzt gibt es eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, um die Überwachung und erfolgreiche Verfolgung von Dynamitfischern zu verbessern.

 

Riffschutz durch Aktion

Eine Reparatur der Riffe im großen Maßstab ist sehr schwierig und teuer aber auch kleine Schritte können eine Veränderung zum Besseren einzuleiten. Die Marine Conservation Society und Sabah Parks zeigen mit „Naturschutz in Aktion“ an verschiedenen Standorten im Marine Park mit so genannten „Korallenrahmen“ einen Weg dazu auf. Die Vorbilder für die speziell entwickelten Konstruktionen stammen von den Malediven und wurden dort bereits getestet und erfolgreich eingesetzt. Sie bestehen aus Baustahl, der lokal zumeist verfügbar und leicht zu handhaben ist, auch unter Wasser. Die Rahmen stehen aufgrund ihrer Form stabil auf den Meeresgrund und das Wasser kann durch sie hindurch strömen. Da die Korallen auf dem Rahmen wachsen und sich darauf ausbreiten, bietet sie im Laufe der Zeit neue Treffpunkte und Verstecke für Fische.

 

Mit der Projektumsetzung wurden im Juni 2011 begonnen. Es wurden geeignete Riffbereiche ausgewählt und eingehend untersucht, um den Status quo zu dokumentieren und zukünftige Veränderungen belegen zu können. Speziell hierzu wurde ein Monitoring-Konzept ausgearbeitet. Bevor im Herbst 2011 70 Rahmen an zwei Riffen als Demonstrationsobjekte ausgebracht wurden sind die Mitarbeiter geschult worden, die Herstellungstechnik und der Einsatz unter Wasser wurden geübt. Zukünftig sollen diese Arbeiten von Fischern aus der Region durchgeführt werden. Dazu erhalten sie ein Training und werden auf Tagesbasis für ihre Arbeit entlohnt.

 

Ausführlich diskutiert wurde ein Aktionsplan, der die weiterhin stattfindenden Detonationen dokumentieren und Gegenmaßnahmen einleiten soll. Dieser Plan liegt inzwischen vor und soll 2012 mit Leben erfüllt werden. Das Bildungsprogramm, durch das die Fischer der Region über die Folgen der zerstörerischen Fischerei aufgeklärt werden sollen, ist inzwischen ausgearbeitet und befindet sich in einer letzten Überarbeitung, so dass es im Frühjahr 2012 zum Einsatz gebracht werden kann.