Test Design Lighthouse


Russland: Chupa, Karelien - hoch im Norden

Der Polarkreis, 66°34’ nördliche Breite. Von hier an geht die Sonne im Sommer nicht mehr unter und im Winter nicht mehr auf. Die Gegend um Chupa am Weißen Meer ist nur dünn besiedelt, vorherrschend sind Seen, Sümpfe und Wälder, eine Bahnlinie verbindet St. Petersburg mit Murmansk, 1.600 Kilometer sind es bis Moskau. Eine Initiative sucht Perspektiven für die Zukunft.

Das Basin Council ist eine gemeinnützige Organisation, die 2003 mit Unterstützung des WWF Russland und der Lighthouse Foundation gegründet wurde. Dem Basin Council gehören etwa 100 Mitglieder an, überwiegend aktive Bürger aus der Region Chupa am Weißen Meer: Fischer, Lehrer, Geschäftsleute, Vertreter der öffentlichen Verwaltung. Eine enge Kooperation besteht mit der lokalen Verwaltung, den offiziellen Stellen der Republik Karelien, wissenschaftlichen Einrichtungen wie den Biologischen Stationen am Weißen Meer der Universitäten Moskau, St. Petersburg und Petrozavodsk sowie dem Zoologischen Institut der russischen Akademie der Wissenschaften.

 

Das Projekt leistet einen Beitrag zum Aufbau einer selbstverantwortlichen Regionalentwicklung und stützt die Umsetzung der Schutzstrategie Ökoregion Barentssee, die Teil des Engagements des WWF-Russland ist. Strategische Ziele für den Großraum Barentssee ebenso wie für die Region Chupa sind dabei der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosystemprozesse und -funktionen, um die vielfältigen Lebensgemeinschaften zu erhalten, die Förderung der Zivilgesellschaft und der Möglichkeiten von alternativer, nachhaltiger Wirtschaftsweise durch z.B. umweltgerechten Tourismus, kleine Küstenfischerei nachhaltige Forstwirtschaft. Gleichzeitig sollen Erfahrungen mit der Einrichtung von Meeresschutzgebieten in Russland gesammelt sowie Modelle zur Einführung partizipativer Ansätze im Küstenzonenmanagement entwickelt werden.

 

Das Basin Council soll ein Sammelbecken für alle an nachhaltiger Entwicklung interessierte Bürger sein. Es soll den Informationsaustausch fördern und das Bewusstsein für Küstenmanagement, Naturschutz und Entwicklung wecken. Dazu werden Projekte zum Naturschutz und zur nachhaltigen Entwicklung umgesetzt und Umweltbildung betrieben.

 

Die Besonderheit dieses Projektes im Vergleich zu den meisten Projekten des WWF ist die Zielrichtung des Vorhabens, die umfassende Beteiligung der örtlichen Gemeinschaft in Bewirtschaftung und Erhaltung der Ressourcen der Küstengebiete für eine nachhaltige Entwicklung und den zunehmenden Wohlstand der lokalen Bevölkerung.

 

Weiterentwicklung von Basin Council und Chupa Yacht Club 2011

backgroundImage:www.lighthouse-foundation.org/fileadmin/LHF/Bilder/white-sea-back.jpg
Das Segeln bringt Schülern und Studenten den Sport und die Natur Kareliens näher

Das Informationscenter des Basin Councils hat sich zu einer Institution entwickelt und ist Anlaufpunkt für Touristen und die Basis der Organisation bei der Projektumsetzung. Der Verwaltungsrat als ständiges, beratendes Gremium der Organisation hat sich 2011 neu zusammengesetzt.

 

Auf kommunaler Ebene war das Council an Sitzungen über die weitere Entwicklung des Problems der Bioabfall-Verwertung beteiligt. Es besteht Einvernehmen mit den Bürgermeistern der Dörfer an der nördlichen karelischen Küste, zunächst ein Pilotprojekt zum Bioabfall in Crimson und Chupy Varakki zu etablieren. Zu diesem Thema veranstaltete das Council einen Wettbewerbs für die Anwohner unter dem Titel „Saubere Küste und aufgeräumte Stadt“.

 

Der Chupa Yacht Club hat sich vielfältig betätigt, um Schülern und Studenten den Sport und die Natur Karelien näher zu bringen verschiedenen. Neben der Teilnahme am Wettbewerb der „Russischen Yachtsport Föderation“ und an der «Regatta Solovki» um den „Nord-West-Pokal», wurde eine Ausfahrt mit Schülern und Studenten auf einer Yacht aus Chupa durch den Weißmeer-Ostsee-Kanal zum Onega-See und zurück organisiert. Die Yacht „Russlands Meisterschaft“ wurde bei einer Werbetour für Umwelt- und Hilfsorganisationen der Region eingesetzt, bei der Wassersportler und Küstenbewohner mit Informationsmaterialien über die nordkarelische Küste und Naturschutzgebiete versorgt wurden.

 

Schließlich wurde der „Tag der Fischer“ veranstaltet, der sich natürlich auch an Wassersportler und Gäste an der nordkarelischen Küste richtet.

 

Entwicklung des Tourismus in der Natur

Wie schon im vorletzten Jahr wurde wieder eine Befragungen von Touristen in Chupa und Umgebung sowie entlang der nordkarelischen Küste durchgeführt, um mögliche anthropogene Auswirkungen des Tourismus auf den Naturraum zu bestimmen und letztlich zu vermeiden.

 

Der besonders geschützte Naturraum „Gridino“ wurde in der Öffentlichkeit, bei Tagungen und durch direkte Aufklärungsarbeit beworben, um ihm in den Augen der Menschen vor Ort ein positives Image zu verleihen. Wir haben Expeditionen durch das Gebiet organisiert, um den Zustand des Straßen- und Wegenetzes zu erkunden. An geeigneter Stelle wurden Parkmöglichkeiten für die Besucher des Gebietes angelegt. Zudem wurden weitere Informationsmaterialien ausgearbeitet, in denen die Bucht von Chupa im Golf von Kandalaksha porträtiert werden und die sich speziell an Touristen wenden. Der Druck wurde allerdings nochmals verschoben, weil erwartet wird, dass der Status des Naturraums noch geändert wird und diese Änderungen sich auf die Regelungen im Gebiet auswirken könnten und die Broschüren sollen natürlich auf dem aktuellen Stand sein.

 

Das Basin Council hat weitere Exkursionen unterstützt und organisiert, um historische, architektonische oder geologische Rundgänge in Keret zu entwickeln. In einer Expedition zum Roten Kap im Schutzgebiet „Polarkreis“ wurden Materialien für die Gestaltung der ökologischen Wanderwege gesammelt. Gestartet wurde auch ein Projekt zur Wiederbelebung der alten Handelsroute Archangelsk – Cola, die einst durch das Keret verlief. Um für Notfälle gerüstet zu sein wurde noch eine gemeinsame Übung von Basin Council und zivilen Notdiensten im Schutzgebiet „Polarkreis“ abgehalten.

 

Weitere Maßnahmen war die Ausrichtung von Wettbewerben im Eisfischen am Weißen Meer und der Bau von Sitzbänken an den Wegen, die besonders von älteren Mitbürgern und Touristen benutzt werden. Auch auf Gäste ausgerichtet war dir Durchführung von Wettbewerben im Skifahren für Kinder oder die Teilnahme am internationalen Sommer-Camp mit dem Jugendsport des Schulbezirk Chupa in Finnland.

 

Entwicklung der Küsten-Schutzgebiete

Die Ökologie des Weißen Meeres und seiner Organismen wird gleich in mehreren Forschungsstation untersucht.
Ausstellungen mit faszinierenden Bildern werden der Öffentlichlkeit gezeigt.

Die Grenzen des Schutzgebietes“Polyarniy Krug“ („Polarkreis“) wurde mit Pfosten markiert. Es hilft Besuchern und Einheimischen auf die geltenden Vorschriften zu achten und das Gebiet nicht zu stören. Zusammen mit Mitarbeitern des WWF wurde in einer Expedition das Schutzgebiet wiederholt begutachtet. Am Beispiel dieses Schutzgebietes wird ein effektives Umweltmanagementsystem für Naturparks und Naturschutzgebiete entworfen.

 

Es wurden Treffen mit Anwohnern und Unternehmen des Verwaltungsbezirks Varatskogo organisiert, um die Frage der örtlichen Beteiligung am Management des Schutzgebietes „Polarkreis“ zu diskutieren.

 

Der WWF unterstützt weiterhin die Gründung eines neuen Schutzgebietes für Küsten-Ökosysteme namens „Gridino“. Hierzu wurden weiterführende Gespräche mit der lokalen Bevölkerung in Plotina und Amabrnyi geführt. Bedenken, Kommentare und Vorschläge der Bürger wurden aufgenommen und werden in das Konzept eingearbeitet werden.

 

Mit Unterstützung durch ein UN-Projekt und das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Umwelt der Republik Karelien haben Studierende und Graduierte aus Petrosawodsk und von der Staatlichen Universität Moskau eine hydrobiologische Expedition unternommen, die eine regelmäßige Überwachung des litoralen Schutzgebietes „Kuzova“ einläuten soll. Zusammen mit karelischen Umweltorganisationen arbeitet das Basin Council bei der Verwaltung von Schutzgebieten der Polarkreis-Region, um entsprechende Auflagen des Ministeriums für Umwelt und Ökologie der Republik Karelien zu erfüllen. Darüber hinaus finden direkte Gespräche zwischen Vertretern von Umwelt-NGOs und Vertretern der Direktion für die Verwaltung Naturschutzgebieten in Karelien statt.

 

Öffentlichkeitssarbeit

2011 wurde die Internetseite des Basin Council erneuert und ein modernes Content Management System zur Veröffentlichung von Berichten und Informationen eingeführt.

 

Das Basin Council präsentierte sich beim Festival „Tag Chupy» im Haus der Kultur und unterstützte die Vorbereitung und Durchführung des ethno-kulturellen Festivals „White Noise“. Beliebt sind Veranstaltungen mit verschiedenen Wettbewerben für die Bewohner der Küste des Weißen Meeres die das Basin Council organisiert hat.

 

Die Teilnahme von Vertretern der lokalen Fischerei an den Aktivitäten von Slowfood International bzw. Slowfish in Genua, Italien, hat den Teilnehmern einen internationalen Erfahrungsaustausch möglich gemacht. Die Vorbereitungen für die Präsentation der neu eingerichteten Schutzgebiete Kareliens auf dem internationalen Treffen hatte das Basin Council unterstützt.

In der Region wurden verschiedene kleine Ausstellungen gezeigt. Eine Fotoausstellung widmet sich den Lebensformen des Meeres, eine andere zeigte Lithographien mit Motiven der nordkarelischen Küste. Weiterhin Unterstützung durch das Basin Council erhielten auch die Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche, etwa durch die Durchführung einer Aktion zu Schutz der Seeelefanten mit Schülern der Oberstufe.

 

Kritische Rückschau

Die Re-Organisation des Basin Council wurde planmäßig im letzten Jahr abgeschlossen. Der Rat zog in ein anderes Büro und diente als Plattform für mehrere lokale Naturschutzvorhaben und Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung wie Ausstellungen, Festivals, Lehrpfade, der Diskussion über die Abgrenzung der Schutzgebiete und die Naturschutzforschung mit Beteiligung der örtlichen Jugend.

 

Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Projekts ist die große Untätigkeit der lokalen Bevölkerung. Auch wenn es einige aktive und verantwortliche Einzelpersonen gibt, die eine führende Rolle im Projekt einnehmen, sind sie nicht in der Lage, die sich isolierende Gemeinde mitzunehmen. Der einzige Ausweg scheint die Fortsetzung der täglichen Arbeit und die wichtigen Umweltfragen der Bevölkerung zu präsentieren.

Bisher war die Unterstützung des WWF-Netzwerks für dieses Projekt begrenzt, trotz der Tatsache, dass dieses Vorhaben eine ausgezeichnete Vorlage für die Konzeptentwicklung zur zukünftigen Arbeit in Gemeinden sein wird. Die Aufgabe des Büros der Ökoregion Barentssee wird nunmehr darin gesehen, das Projekt mit zu anderen regionalen Initiativen zu vernetzen.

 

 

Projektpartner:

Basin Council

Yury Kybacov

186670, Russia, Republic of Karelia,

Loukhi district, Chupa settlement,

Korguev Str. 7

basincouncil@mail.ru

 

WWF Russia Representative Office

19-3, Nikoloyamskaya st.

109240 Moscow

Russia

www.wwf.ru

 

 

Das Weiße Meer - eine kurze Einführung in die Ökologie eines kleinen Meeres