Test Design Lighthouse


Forum für die Erhaltung der patagonischen Küstenregion

Eine gemeinsame Initiative von NROs zur Bewertung des Erhaltungsstatus der patagonischen Meeresküste

Das Forum for the Conservation of the Patagonian Sea and Areas of Influence (Forum für den Erhalt der patagonischen Küstenregion und deren Einflussgebiete) wurde im März 2005 in Colonia (Uruguay) ins Leben gerufen. Die Mitglieder des Forums sind sowohl nationale als auch internationale Nichtregierungsorganisationen (NROs), die sich für den Schutz dieses marinen Ökosystems einsetzen. Das wichtigste Ziel des Forums besteht darin, mit vereinten Kräften und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern die Maßnahmen zur Sicherstellung eines integrierten Managements dieses bedeutenden marinen Ökosystems noch weiter zu optimieren.

 

Die patagonische Küstenregion

Die patagonische Küstenregion ist eines der größten und lebensreichsten maritimen Gebiete der Erde, das sich über eine Fläche von mehr als 2 Millionen km², vom südlichen Brasilien (23 °südlicher Breite) bis hin zu den Gewässern südlich der Burwood Bank (55 °südlicher Breite) in Argentinien erstreckt. Die hohe Produktivität dieser Region entsteht durch zwei wichtige Meeresströmungen, den Brasilstrom und den Falkland-Malvinasstrom, die für die Zufuhr von Nährstoffen in das Gebiet sorgen.

 

Der Falkland-Malvinasstrom leitet sich von der zirkumpolaren antarktischen Meeresströmung ab, bewegt sich nördlich entlang des patagonischen Kontinentalhangs und befördert kaltes (Oberflächentemperatur im Winter weniger als 7 °C) und salzarmes Wasser. Der subtropische Brasilstrom enthält andererseits warmes (Oberflächentemperatur ca. 26 °C) und salzreiches Wasser und bewegt sich südlich entlang des Kontinentalschelfs. Beide Ströme treffen bei ca. 38 °südlicher Breite im so genannten Mündungsdelta aufeinander, einem der artenreichsten Meeresgebiete der Welt.

 

Die hohe Konzentration von Phytoplankton in der Region bildet die Voraussetzung für die dortige Vielfalt an marinem Leben. Die Gewässer vor der Küste Patagoniens beherbergen große Populationen von Fischen, Quallen und Krustentieren und dienen den Seevögeln, Seelöwen und Walen als wichtige Futter- und Brutplätze.

 

Sechzehn Seevogelarten (zwei Pinguinarten, der Südliche Riesensturmvogel, fünf Kormoranarten, drei Möwenarten, zwei Arten von Meeresschwalben und zwei Skuaarten) brüten entlang der patagonischen Küste und sind auf das marine Ökosystem Patagoniens als Nahrungsquelle angewiesen. Fast 75 % der Gesamtpopulation der Schwarzbrauenalbatrosse leben und brüten in diesen Gewässern. Mehr als eine Million brütender Maggelanpinguin-Paare, 72.000 Südliche Seelöwen und 60.000 Südliche Seeelefanten sind im marinen Ökosystem Patagoniens heimisch. Zusätzlich migrieren jährlich zahlreiche Seevögel und Meeressäuger aus subantarktischen und antarktischen Gewässern in dieses Gebiet. Diese Artenvielfalt macht die patagonische Küstenregion zu einem der weltweit größten marinen Lebensräume.

 

Der antarktische Krill dient Sturmvögeln, darunter dem Kapsturmvogel (Daption capense), als Nahrungsquelle. Foto: © Claudio Suter

Die Küstenregion Patagoniens ist eines der größten Fischfanggebiete der Welt. Die schwersten Bedrohungen für die Erhaltung dieses Gebietes sind die Überfischung bestimmter Arten, Beifang, die versehentliche Tötung von Seevögeln und Meeressäugern sowie die Zerstörung benthischer Habitate (und der damit verbundene Verlust der Artenvielfalt) durch Grundnetzschleppfischerei. Illegales, nicht protokolliertes und unreguliertes Fischen stellt ebenfalls eine Gefahr für wichtige Fisch- und Tintenfischarten dar, die auf dem Kontinentalschelf und -hang vor Argentinien heimisch sind. Darüber hinaus birgt der zunehmende Fischfang in internationalen Gewässern ernst zu nehmende Gefahren für die heimischen Fisch- und Tintenfischpopulationen.

 

Eine weitere Bedrohung ist die Verschmutzung, insbesondere durch Abwässer und Abfall aus den Küstenstädten sowie durch die Fischerei. Die Verschmutzung durch Öl stellt eine weitere potentielle Gefahr für den Erhalt der Region dar, zumal wichtige Öltransporte von Bohrinseln und Bohrstationen an Land zu den Raffinerien im Norden an der Küste von Buenos Aires entlang der patagonischen Küste stattfinden.

 

Die gemeinsame Initiative des Forums

Teilnehmer der Konferenzen in Colonia, Uruguay (oben) und Puerto Madryn, vor dem Haupteingang des Ecocentro (unten)

Es gibt derzeit keinen auf detaillierten wissenschaftlichen Tatsachen basierenden Bericht, der eine Diagnose des Erhaltungsstatus dieses großen marinen Ökosystems liefert. Zwar existieren zahlreiche Daten zur biologischen Vielfalt und der Nutzung dieser Region durch den Menschen, doch sind diese auf verschiedene Regierungsinstitutionen, NROs und Forschungseinrichtungen verstreut. Versuche eines Informationsaustausches dieser verschiedenen Interessengruppen sind leider selten. Daher herrscht ein Mangel an klaren und stichhaltigen Aussagen zum Erhaltungsstatus der patagonischen Küstenregion.

 

Aus diesem Grund besteht das wichtigste Ziel des Forums darin, einen von allen Mitgliedern anerkannten Bericht zu erstellen, der den Erhaltungsstatus der patagonischen Küstenregion aufzeigt und von NROs dazu verwendet werden kann, wichtige Interessengruppen bei Presse, Regierung und Industrie zu erreichen. Der Bericht soll stichhaltige Aussagen zu den wichtigsten Punkten in Bezug auf die Erhaltung der Artenvielfalt der patagonischen Küstenregion enthalten.

 

Die grundlegende Idee hinter diesem Bericht sieht vor, dass die dringendsten Aspekte hinsichtlich der Erhaltung der Artenvielfalt in diesem Ökosystem aufgezeigt und anschließend Fakten gemeinsam von allen Forumsmitgliedern zusammengetragen werden, wobei auch ein Gremium aus renommierten Wissenschaftlern zu Rate gezogen werden soll.

 

Das erwartete Ergebnis geht weit über das bloße Erstellen eines fundierten Berichts hinaus. Die Organisationen, die sich für die Erhaltung einsetzen, insbesondere die Organisationen auf nationaler Ebene, können von dem Kapazitäten freisetzenden Prozess profitieren, der durch die Erstellung des Berichts eingeleitet wird. Indem ein Konsens hinsichtlich der wichtigsten Punkte bei der Erhaltung des marinen Ökosystems erreicht wird, haben zivilgesellschaftliche Organisationen die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf die Erhaltung der marinen Artenvielfalt zu lenken, beispielsweise mit Hilfe von Medien oder Meinungsbildnern.

 

Es wäre das erste Mal, dass alle beteiligten Organisationen eine gemeinsame Aussage zum Erhaltungsstatus und den Bedürfnissen dieses marinen Ökosystems machen. Selbstverständlich ist die Handlungsfähigkeit des Forums als „Sprachrohr“ aller NROs bei weitem größer als die der einzelnen Organisationen.

 

Der geplante Bericht könnte sich bei einer Vielzahl von Situationen als nützlich erweisen und zahlreichen Gemeinden vorgelegt werden, insbesondere wenn es darum geht, eine Basis für Diskussionen und Verhandlungen mit Regierungsvertretern bezüglich konkreter Schritte für den Schutz der patagonischen Küstenregion und der umweltfreundlichen Nutzung der marinen Ressourcen zu schaffen.

 

Die Vorbereitungen für ein solch umfassendes Dokument beinhalten verschiedene Aspekte, darunter:

 

  • Organisation technischer Workshops: Dabei werden die Methoden für die Datenerfassung und -Verarbeitung diskutiert, Daten werden in einem größeren Kontext analysiert, die Ergebnisse besprochen und in einem Bericht zusammengefasst.
  • Bewertung von potentiellen Indikatoren und anderen relevanten Fragen durch eine Gruppe anerkannter Experten: Während des letzten Treffens in Mar del Plata hat die Arbeitsgruppe des Forums für die Beobachtung des Ökosystems eine Präsentation zu potentiellen Indikatoren vorgestellt, die bei der Beobachtung des Erhaltungsstatus der patagonischen Meeresküste auftreten können. Auf dieser Veranstaltung wurde die Notwendigkeit diskutiert, die Analyse der Datenverfügbarkeit einzubeziehen, um die möglichen Indikatoren quantitativ bewerten zu können. Diese besondere Analyse sollte von einer speziell dafür zusammengestellten Gruppe von Experten aus verschiedenen Bereichen durchgeführt werden.
  • Kommunikationsstrategie: Parallel zu den technischen Workshops wird eine Kommunikationsstrategie speziell für die Veröffentlichung des Berichts ausgearbeitet. Diese Strategie basiert auf den Ergebnissen des vom Forum kürzlich organisierten Workshops zu Kommunikationsstrategien. Hauptziel dieser Strategie ist es, einen optimalen Weg zu finden, den Bericht einem breiten Publikum vorzustellen. Zusätzlich werden auch Anstrengungen unternommen, eine große Zahl von Interessengruppen (darunter auch Regierungsvertreter) als Befürworter des Berichts mit einzubeziehen.
  • Datenbank: Als Informationsquelle für dieses Dokument dient die bereits existierende Datenbank des „Sea and Sky“-Projektes der Wildlife Conservation Society. Diese Datenbank enthält Informationen, die von verschiedenen Organisationen gesammelt werden, und wird ständig aktualisiert. Sie wird vom CONICET (Consejo de Investigaciones Cientificas y Técnicas; www.conicet.gov.ar), der auch mit dem Forum zusammenarbeitet, technisch verwaltet. Bis jetzt enthält die Datenbank ca. 60.000 auf Satellitenbeobachtung basierende Einträge zu den wichtigsten Futter- und Brutstätten der an der patagonischen Meeresküste heimischen marinen Spezies. Sie enthält auch einen kompletten Datensatz zu Ozeanographie und rechtlichen Themen.
  • Erstellung von Karten zu den wichtigsten marinen Spezies: Während dieses Prozesses werden Methoden (darunter soweit erforderlich auch Vereinbarungen zur Zusammenarbeit) entwickelt, um (unter Berücksichtigung der entsprechenden zeitlichen und räumlichen Parameter) Karten für die quantitative Nutzung eines Habitats durch Albatrosse und Sturmvögel, Pinguine und Meeressäuger (insbesondere Seelöwen) zu erstellen. Soweit die Menge an verwertbaren Daten dafür ausreicht, soll das Gleiche auch für Schildkröten, Wale, kommerziell genutzte Fischarten, Quallen und andere Arten durchgeführt werden.
  • Erstellung von Karten in Bezug auf die Fischerei: Es werden Methoden zur Erstellung von fischereibezogenen Karten (z. B. hinsichtlich der Fischart, der benötigten Ausrüstung usw.) für jede Form der in der Region betriebenen kommerziellen Fischerei entwickelt.
  • Gefahrenanalyse und Lösung potentieller Konflikte: Die Daten (Karten), die für die wichtigsten marinen Spezies erstellt wurden, werden mit den Daten (Karten) zusammengeführt, die auf die Fischerei und anderweitige Nutzung der marinen Ressourcen bezogen sind, um aktuelle Gefahren identifizieren zu können. Die Analyse wird auch Vorschläge zu alternativen Management-Optionen und Maßnahmen zur Entschärfung enthalten, die die Errichtung von Meeresschutzgebieten und die Entwicklung von neuen Systemen für das marine Managements einschließen, um eine nachhaltige Nutzung der marinen Ressourcen an der patagonischen Meeresküste sicherzustellen.
  • Veröffentlichtes Dokument „Review of the Status of Conservation of the Patagonian Sea“ (Bericht über den Erhaltungsstatus der patagonischen Meeresküste: Eine Auflage von 2.000 Exemplaren eines vollständig illustrierten Dokuments wird herausgegeben. Ungefähr 150 Exemplare werden direkt nach der Veröffentlichung 2007 kostenlos an wichtige Ansprechpartner verteilt.
  • Veranstaltung anlässlich der Veröffentlichung des Berichts: Einige Wochen nach der Veröffentlichung des Dokuments wird eine kleinere Veranstaltung stattfinden, in deren Rahmen der Bericht verschiedenen Meinungsbildnern und anderen relevanten Interessengruppen vorgestellt wird. Diese Veranstaltung wird die erste Maßnahme in einer ganzen Reihe von Kommunikationsaktionen sein, die bezüglich des Berichts im Laufe des Jahres 2008 stattfinden werden.


Arbeitsgruppen des Forums und der Bericht über den Erhaltungsstatus der patagonischen Meeresküste

Zahlreiche Arbeitsgruppen (Working Groups, WGs) werden aktiv an der Vorbereitung und Verbreitung dieses Dokument mitwirken. Ein Beispiel:

 

  • Die WG on Communication (Arbeitsgruppe für Kommunikation) wird Pläne entwickeln, um die Resultate des Berichts einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen.
  • Die WG on Zoning Strategy (Arbeitsgruppe für Strategien der Gebietsaufteilung) wird sämtliche relevanten Daten zu Habitaten und Spezies in eine GIS-Datenbank eingeben, insbesondere solche Informationen, die Habitatsgrenzen betreffen.
  • Die WG on Vertebrate Bycatch Reduction in Fisheries (Arbeitsgruppe für die Reduktion von Wirbeltieren als Beifang bei der Fischerei) wird Daten für die Kartierung (und Eingabe in die GIS-Datenbank) zur versehentlichen Tötung von Seevögeln, Meeresschildkröten und Meeressäugern in Bezug auf alle relevanten kommerziellen Fischereien und Fischereimethoden sammeln (unter Berücksichtigung der entsprechenden zeitlichen und räumlichen Parameter). Darüber hinaus wird diese Gruppe angemessene Entschärfungsmethoden für Risikobereiche in Bezug auf die versehentliche Tötung von Seevögeln, Meeresschildkröten und Meeressäugern für jede relevante Fischfangmethode ausarbeiten.

Bei der letzten Vollversammlung des Forums in Mar del Plata im Juli 2006 wurde eine neue Arbeitsgruppe ins Leben gerufen: Die WG on the Status of Conservation of the Patagonian Sea (Arbeitsgruppe für den Erhaltungsstatus der patagonischen Meeresküste). Diese neue Arbeitsgruppe arbeitet derzeit an der Entwicklung und Implementierung einer Strategie für die Ausarbeitung des Berichts. Die Schaffung dieser neuen Arbeitsgruppe verdeutlicht, wie wichtig das Projekt innerhalb des Forums ist.

 

 

Nach oben

LF-Explorer:

Leben im Ozean

Fischerei

 

LF-Projects:

Ecocentro Puerto Madryn

Patagonien: Nachhaltige Entwicklung in Chiles Süden

 

Projektpartner:

Webseite des

Forum for the Conservation of the Patagonian Sea

 

Kontakt:

Dr. Rodolfo Werner Kinkelin

Koordinator

Forum for the Conservation of the Patagonian Sea and Areas of Influence

Puerto Madryn – Chubut – Argentinien

E-Mail: coordforum(ad)gmail.com

 

Santiago Krapovickas

Gründer der WG on Status of Conservation of the Patagonian Sea

(WCS / „Sea and Sky“-Projekt)

Puerto Madryn – Chubut – Argentinien

E-Mail: sfkrapovickas(ad)gmail.com