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Panama: Nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen in Kuna Yala

Digir ist eine malerische Insel mit ihren traditionellen Hütten im Dorf und den Naturstränden, die an vielen Abschnitten der Küste geschützt sind. Besonders schön ist es an der “Punta Turística”, wo die Cabañas, die einfachen Hütten für die Besucher stehen und die Dorfgemeinschaft ein Meeresschutzgebiet unterhält - zu allseitigem Nutzen.

 

Ein Bericht von Renate Sponer

 

Die Cabañas von Digir Dupu gehören zu einem Tourismus-Projekt der Gemeinde in der autonomen Region Kuna Yala in Panama. Es ist eine Dorf mit vielen lebendigen Traditionen im täglichen Leben ihrer Bewohner, mit zahlreichen Festen und Veranstaltungen, an denen Besucher beim Zuschauen und Mitmachen willkommen sind. Die Einnahmen aus der Vermietung der Cabañas kommen direkt den Menschen in dieser Gemeinde zugute. Auf die Besucher wartet dafür ein wunderschönes und interessantes Reiseziel, um die Kultur der Kuna zu erleben, die spektakuläre Natur zu erforschen oder die lokale und landestypische Küche kennen zu lernen und sich in den Cabañas am Strand zu entspannen. Gleichzeitig unterstützt der Gast aber auch die Menschen vor Ort, die sich für eine nachhaltige Nutzung ihrer Ressourcen verschrieben haben.

 

So wie in Digir wird in fünf weiteren Gemeinden an der Karibikküste Panamas im Rahmen eines Projektes an der nachhaltigen Nutzung der Meeresressourcen gearbeitet. Dazu haben die Gemeinden Kommissionen gebildet, die für die Umsetzung der Maßnahmen zuständig sind.

 

Stärkung der Gemeinden für mehr Selbstverwaltung im Projekt

Man kann sagen, dass sich die Schutzgebietskommissionen (Marine Protected Area Kommissionen, kurz: MPA-Kommissionen) aller beteiligten Gemeinden seit Beginn des Projekts im Jahr 2005 im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Nutzung der Meeresressourcen und des allgemeinen Umweltschutzes sehr bewegt haben. Die Kommissionen haben sich in ihren Gemeinden Respekt verdient, nachdem es ihnen gelang, sich als Institutionen zu etablieren, die Seite an Seite und in Abstimmung mit anderen Institutionen arbeiten. In einer Gemeinde ist die MPA-Kommission sogar zur Kommission für Umwelt und Tourismus aufgestiegen. Die Kommissionen sind nun voll verantwortlich für die Planung, Verwaltung und Durchführung des Projekts. Sie fertigen ihre Arbeitspläne und Berichte in standardisierter Form an, was dadurch heute nur noch selten problematisch ist. Darüber hinaus unterbreiten sie ihren eigenen Gemeinden monatliche Finanzberichte.

 

Meeresschutzgebiets-Management

Zum Betrieb der Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPA) gehört deren Instandhaltung (z.B. das Aufstellen von Wegweisern und Bojen oder die Müllsammlung), die Kontroll- und Polizeifunktion, die Öffentlichkeitsarbeit und pädagogische Aktivitäten, der Einkauf von Materialien, die Planung und Abrechnung. Diese Arbeit wird hauptsächlich durch die MPA-Kommissionen geleistet, wobei die Polizeiarbeit manchmal auch nach dem Rotationsprinzip von allen Gemeindemitgliedern wahrgenommen wird. Die MPAs sind jetzt gut etabliert, die Gemeindemitglieder respektieren und schätzen sie und illegale Fischerei findet selten statt. Als einzige Methode ist in den MPAs der Fischfang mit Haken und Leine zulässig.

 

Umweltbildung

Seit dem Beginn unserer Arbeit im Jahr 2004 hat die Umwelterziehung im Mittelpunkt dieses Projektes gestanden und ist ein konstantes Merkmal unserer Arbeit. Alle Teile dieses Projekts haben Bildungskomponenten, alle haben wichtige Botschaften im Zusammenhang mit der nachhaltigen Nutzung und Erhaltung der Umwelt, mit den Kuna-Traditionen oder nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Die pädagogischen Aktivitäten sind so vielfältig wie die Ideen der Lehrenden und der Lernenden. Unterrichtet werden alle Gruppen und Altersstufen, z. B. Schüler, Frauengruppen, Sportvereine, Gemeindevorsteher, Fischer, Hummertaucher, Lehrer etc., wobei mit den für die jeweilige Zielgruppe am besten geeigneten Materialien und Methoden gearbeitet wird (z. B. durch Seminare, Videos, Schnorchel-Ausflüge, Poster, Pinwände u.ä.) . Als Lehrer fundgieren Projektmitarbeiter und Mitglieder der MPA-Kommissionen, die durch das Projekt geschult wurden und mit Bildungsmaterialien ausgestattet sind. Ein Schwerpunkt liegt auf der Gleichrangigkeit von traditionellem Wissen der Kuna und wissenschaftlichen Erkenntnissen und, soweit möglich, versuchen wir beides zu vergleichen und zu verbinden.

 

Nachhaltige Landwirtschaft und Abfallwirtschaft

Die MPA-Kommissionen profitieren von der Unterstützung des Projektes für nachhaltige Landwirtschaft. Jede Kommission hat mehrere Grundstücke auf dem Festland für verschiedene Früchte (Bananen, Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Reis, Ananas, Kakao, Kaffee, Zuckerrohr und Zitrusfrüchte) sowie Gemüsegärten auf der Insel (mit Tomaten, Paprika, Gurken und Kräutern). Die Produkte werden unter den Familien der Kommissionen verteilt, in den Schulküchen verwendet und für besondere Anlässe genutzt, wie etwa der Besuch des Sailas. In einigen Gemeinden brachte diese Initiative erstmals nach Jahren wieder lokal produzierte Kochbananen (Platano, Massunnad) auf die Tische. Kaffee und Kakao, einst wichtige Produkte, sind in den letzten Jahren knapp geworden und für dieses Projekt mussten Samen oder Setzlinge aus der Comarca Kuna de Madungandi importiert werden.

 

Bau einer Feldstation auf den vorgelagerten Inseln von Maoki

Der Bau einer Feldstation auf der Insel Duiladup in Maoki wurde durch langwierige Diskussionen über die Verwendung von Materialien und die am Besten geeignete Gebäudeform und von den, wie sich herausstellte, unorganisierten sechs Dörfern (Pueblos) verzögert. Da diese sechs Inseln rund zwei Stunden Bootsfahrt voneinander entfernt sind, ist die Kommunikation ein Problem, da die formellen Sitzungen nur einmal im Monat stattfinden, oft verschoben werden und damit weniger häufig sind. Nach mehreren Monaten der Planung wurde die Feldstation gebaut, jedoch mit einigen Materialien von minderer Qualität als geplant und erwünscht. Die Arbeiten am Dach des Gebäudes sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Die Verwaltung der Mittel hat auch Probleme und Fragen hervorgerufen. Als eine Buchprüfung durch die Versammlung der sechs Pueblos angeordnet wurde, wurde festgestellt, dass Belege fehlten. Dieser Skandal führte zur Entlassung des damaligen Vorstands und der Einführung eines neuen Boards im Januar des Jahres 2012.

 

Fundación Balu Uala und unser Projekt

BALU UALA ist eine gemeinnützige Kuna-Organisation, die den Gemeinden dabei hilft, ihre Ressourcen nachhaltig zu verwalten. Die Organisation wurde 2002 gegründet und ist seit 2004 mit Unterstützung der Lighthouse Foundation in Kuna Yala tätig. BALU UALA hat ihre Arbeit von ursprünglich einer Gemeinde zunächst auf sechs und kürzlich sogar auf zwölf Gemeinden ausgeweitet. Unser Ansatz besteht darin, die Menschen zu informieren, so dass sie die Probleme verstehen und gezielt darauf hinarbeiten können, das Ressourcen-Management zu verbessern und die Gemeinden bei einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen, insbesondere des marinen Ökosystems, zu unterstützen.

 

Wir haben mit unserer Arbeit im Mai 2004 in der Gemeinde Ukupseni auf rein freiwilliger Basis begonnen. Zu diesem Zeitpunkt bestand ein wichtiges Ziel des Projekts darin, die soziale, wirtschaftliche, politische und umweltbezogene Situation dieser Gemeinde so gut wie möglich kennen zu lernen, um so einen Überblick über die Lage in Kuna Yala im Allgemeinen zu erhalten. Weiterhin wollten wir die Aufmerksamkeit der Menschen auf die zunehmende Zerstörung der Korallenriffe lenken und haben zu diesem Zweck Seminare für die verschiedenen Mitglieder der Gemeinde abgehalten. Im Rahmen der Seminare wurde uns klar, dass die Menschen nur sehr wenig über diese Dinge wussten. Wir erkannten: Um die Gesundheit der Korallenriffe zu verbessern, ihre langfristige nachhaltige Nutzung zu sichern und das Bewusstsein der Menschen für die Wichtigkeit dieser Inhalte zu schärfen, würden wir ein umfassendes öffentliches Schulungsprogramm zum Thema Umwelt benötigen.

 

Während der fast drei Jahre seit Beginn unseres Projekts haben wir nun diese Schulungen abgehalten: Für jede Gemeinde gibt es ein oder zwei lokale Repräsentanten, die zu Beginn des Projekts in wissenschaftlichen Grundlagen, Meeresbiologie und -ökologie, Naturschutz, Korallenbiologie und Umwelterziehung geschult wurden und deren Aufgabe es ist, das Bewusstsein und das Wissen um diese Inhalte innerhalb ihrer Gemeinden zu verbessern. Durch die harte Arbeit der Repräsentanten und monatliche Besuche der Projektkoordinatoren in jeder Gemeinde ist es uns gelungen, langsam aber stetig einen kontinuierlichen Fluss an Informationen zu einer Vielzahl an Themen rund um das Ökosystem Korallenriff einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Organisation BALU UALA ist heute in den meisten Gemeinden Kuna Yalas für ihre Umweltarbeit bekannt, und viele Gemeinden sind an einer Teilnahme am Programm interessiert. Wir arbeiten derzeit in den Gemeinden Wichubwala, Gardi Sugdup, Urgandi, Guebdi, Yandup, Akwanusadup, Digir, Niadup, Ukupseni, Dad Nakwe Dupbir und Ogobsucun sowie auf Gaigirgordup, der Insel, auf der sich der Congreso General Kuna (CGK) befindet, die höchste staatliche Instanz der Comarca.

 

Unser Projekt besteht aus zwei Hauptprogrammen: I) Fischerei-Management, in 12 Gemeinden und II) Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPAs), in 6 Gemeinden als Mittel für das Korallenriff-Management. Diese Programme haben konkret Folgendes zum Ziel:

  • Die Nachhaltigkeit des Fischfangs kommerziell genutzter Arten (Langusten, Königskrabbe, Oktopus, Fechterschnecke) durch Umsetzung der Management-Regulierungen des CGK sicherstellen
  • Den Menschen die Notwendigkeit einer Regulierung des kommerziellen Fischfangs durch Verdeutlichung der Gefahren der Überfischung näher bringen
  • Den Langustentauchern dabei helfen, ihre administrativen Fähigkeiten als Kleinunternehmer zu verbessern und ihre Gesundheit durch sichere Tauchpraktiken zu schützen; die Gründung von Fischereigenossenschaften unterstützen
  • Die Korallenriffe für künftige Generationen wiederherstellen und schützen

Pläne für die Zukunft

Nach intensiven umweltpädagogischen Schulungen in den ersten Jahren des Projekts, ist es an der Zeit, die nächste Generation von Projektunterstützern auszubilden, da es personelle Veränderungen in den meisten Kommissionen gegeben hat.

 

Um die Wirksamkeit von Schutzgebieten zu bewerten, sind ökologische Untersuchungen zur Artenvielfalt wichtig, die z.B. Besiedlungsdichten der Arten oder die Gesundheit der Korallen erfassen und mit den Basisdaten des jeweiligen Gebietes vergleichen.

 

Gemeinden mit erheblichen touristischen Aktivitäten sollten an einer besseren Vermarktung ihrer MPAs arbeiten, um mehr Eigenständigkeit zu erlangen.

 

Die neue Maoki Feldstation ist eine wichtige Ergänzung unserer Ressourcen und muss in Betrieb genommen werden. Es sollte auch Personalschulungen für die sechs Pueblos geben, um für einen optimalen Schutz der natürlichen Ressourcen in Maoki zu sorgen und pädagogische Exkursionen zu den Inseln mit Schülern und Lehrern durchführen zu können.

 

Seit der Entdeckung, dass viele Korallen-Krankheiten direkt oder indirekt mit der Einleitung menschlicher Abwässer in die Riffen im Zusammenhang stehen, ist es wichtig nach Möglichkeiten einer Reduzierung dieser Art der Verschmutzung der Riffe von Kuna Yala zu suchen.

 

 

 

 

CENTRO DE INVESTIGACIÓN, EDUCACIÓN

Y MANEJO EN RECURSOS NATURALES

Apartado 0843-01784 Panamá

Teléfonos: 232-7461; Celular: 6510-9177

Email: baluuala(at)cwpanama.net

 

 

 

 

Kuna Yala Bild-Galerie:

Der Fischerei- Inspektor prüft die Mindestgröße
Diese Languste ist zu klein!
Landgewinnung durch Aufschüttung mit Korallen
Schwarzband-Krankheit bei Diploria strigosa
Korallen-Bleiche bei Agaricia tenuifols
Algen überwuchern Korallen
Plankton-Beobachtung im Mikroskop
Untersuchungen für ein Langzeit-Monitoring
Seminar zur Projekt-Evaluation und -Planung