Test Design Lighthouse


Trauriges Watt und sprachlose Menschen

Wir gingen ein paar Schritte hinein in das Watt von Gyehwa-do. Gerade vier Stunden sind vergangen, seit der Deichbau am 21. April um 12.30 Uhr beendet wurde.

 

Die Leute aus der Gegend erzählten, dass das Meerwasser schon seit 20 Tagen nicht mehr den oberen Wattbereich erreicht hatte...das stimmte. Die Oberfläche am Rand des Watts war schon so trocken und hart wie ein Sportplatz, übersäht mit den Kriechspuren von Organismen im Kampf gegen die Trockenheit. Nach zwei Kilometern gab es keine Krabben mehr in ihren Löchern und keine Schnecken in den Tümpeln. Wir gingen über einen Friedhof.

 

Das aufgerissene, ausgetrocknete Sediment und die sterbenden Lebensformen hinterließen einen bleibenden Eindruck bei uns. Wir sprachen kein Wort.

 

Wir kamen hierher mit Studenten, die das Watt untersuchen. Trotz ihrer mehrjährigen Studien verloren sie nun die Orientierung, weil die Geomorphologie der Priele und Wattflächen sich bereits verändert hat. Der Deich verlangsamt die Strömung und hindert sie daran, die oberen Bereich zu erreichen. Diese Situation wird sich auch nicht ändern, wenn die Schleusen in der Zwischenzeit geöffnet sind. Entferntere Orte wie Geojeon, Gwanhwal und Gunsan werden daher weit tiefere Veränderungen erleiden.

 

Keine einziger Fischer war mehr in Gyehwa-do anzutreffen, wo in der Stille die Luft zirkulierte. Unser Begleiter Herr Eu-sik Koh, ein ehemaliger Fischer aus dem Dorf, hörte nicht auf zu sagen, was er nun alles nicht mehr tun könne. Eine finstere Nacht umgibt das Dorf Gyehwa-do.