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Der Antarktische Krill

Auswirkung der Fischerei auf ein Ökosystem

Eine Fallstudie von Virginia Gascón und Rodolfo Werner (Antarctic and Southern Ocean Coalition)

 

Der Antarktische Krill (Euphausia superba) steht im Mittelpunkt der Nahrungskette der Antarktis. Eine wesentliche Komponente des marinen antarktischen Ökosystems bilden die Räuber, die – direkt oder indirekt – vom Gedeihen der Krillpopulationen abhängen. Der Antarktische Krill ist zirkumpolar verbreitet und kommt im Südlichen Ozean in großen Mengen vor.

 

Seit den späten 70er Jahren bildet der Fang des Antarktischen Krills den größten Anteil der Fischerei im Südlichen Ozean (Croxall u. Nicol 2004). In den letzten Jahren waren meist fast alle Krillfangschiffe in den Küstengebieten des Südwestatlantiks eingesetzt, wo man schon in der Vergangenheit gute Fangergebnisse erzielen konnte. Die Krillfischerei ist weltweit die größte Fischerei von Krustentieren und könnte zur weltweit größten Fischerei überhaupt anwachsen (Nicol u. Endo 1997), vor allem, weil die Verarbeitungstechnik des Krills Fortschritte macht und der Bedarf an Produkten aus Krill zunimmt. Dieser Trend hat Bedenken bezüglich des empfindlichen marinen Ökosystems der Antarktis geweckt, das man immer noch nicht in allen Einzelheiten versteht.

 

Die Vorstellung reicher Krillbestände könnte größere Investitionen anregen und die Versuche der Politik, den Fischfang zu kontrollieren, verzögern. Das ist von besonderer Wichtigkeit, wenn man die Geschichte der Überfischung der Seetiere im Südlichen Ozean in Betracht zieht. Sie betraf im 19. Jahrhundert die Robben, in der Mitte des 20. Jahrhunderts die großen Wale, in den frühen 70er Jahren den Marmorbarsch (Notothenia rossii) und in jüngster Vergangenheit einige Populationen des Schwarzen Seehechts (Dissostichus eleginoides).

 

Das „Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ (CCAMLR) stellt ein internationales Abkommen dar, das auch für das Management der Bestände des Antarktischen Krills im Südlichen Ozean verantwortlich ist. Die CCAMLR wurde im Rahmen des Antarktisvertrags ausgehandelt, wobei die Erhaltung der Bestände des Antarktischen Krills von Beginn an ein wesentlicher Faktor war. Das Abkommen war eines der ersten, das die Notwendigkeit festhielt, im Rahmen eines Fischerei-Managements das gesamte Ökosystem zu berücksichtigen.

 

Wenn auch gegenwärtig die Krillfangmengen im Südlichen Ozean deutlich unter den CCAMLR-Quoten liegen, besteht doch die Gefahr einer lokal extensiven Fischerei in kleinen Regionen, die einen Einfluss auf Arten haben könnte, die insbesondere in der Brutzeit auf Krill als Nahrung angewiesen sind. Die Krillfanggebiete im Südlichen Ozean überschneiden sich weitgehend mit den Brutgebieten der Pinguine und Robben (Constable u. Nicol 2002), man weiß aber immer noch zu wenig über die Futtergebiete und die Fressraten anderer Krillräuber wie Wale, Delfine, Fische, Kalmare oder fliegende Seevögel.

 

Die CCAMLR hat große Fortschritte bei der Formulierung und Entwicklung eines vorbeugenden und auf einer ökosystemischen Grundlage beruhenden Managements der marinen Ressourcen gemacht, die vollständige Durchsetzung dieser Prinzipien im Südlichen Ozean steht aber immer noch am Anfang. Die Situation wird anhand des Beispiels des Antarktischen Krills sehr deutlich. So werden bei der Feststellung der Quoten für die Krillfischerei für große Gebiete des Südlichen Ozeans zwar die Bedürfnisse der vom Krill abhängigen Arten in Rechnung gestellt, es ist aber dringend erforderlich, die Gesamtfangquoten in Quoten für einzelne, kleinere Regionen aufzuspalten, um damit auch die Beziehungen zu berücksichtigen, die dort zwischen dem Krill und den Tieren bestehen, die ihn fressen.

 

Die CCAMLR muss auch noch Reformen in die Wege leiten, um die Überwachung und Kontrolle der antarktischen Krillfischerei zu verstärken, die trotz ihres Umfangs und ihrer Bedeutung nämlich noch immer nicht den meisten Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen unterliegt, denen sich die anderen Fischereien im Südlichen Ozean unterwerfen müssen.

 

Antarktischer Krill

“Krill” ist ein Begriff, mit dem man über 80 Krustentierarten beschreibt, die im offenen Meer leben. Sie sind als Euphausiiden bekannt und zählen in der Mehrzahl zum Plankton...

 

Die Rolle des Krills im antarktischen Nahrungsnetz

Das marine antarktische Ökosystem wird in großem Maße vom Antarktischen Krill als dem wesentlichen Beutetier bestimmt. Die meisten Arten in der Antarktis sind nur eine oder zwei Ernährungsstufen vom Krill entfernt...

 

Auswirkungen der Umweltbedingungen auf die Krillbestände

Man hat mit Besorgnis festgestellt, dass der Antarktische Krill in den letzten Jahren niedrigere Zuwachsraten aufweist. Hinzu kommt, dass mögliche langfristige Veränderungen wie globale Erwärmung oder Ozonabbau deutliche Auswirkungen haben...

 

Über die Krill-Fischerei

Seit den späten 1970ern hat die Krillfischerei unter allen Fischereien im Südlichen Ozean den größten Umfang, und es besteht die Aussicht, dass sie zur weltweit größten Fischerei wird...

 

Geschichte der Krillfischerei

Das Interesse an der Krillfischerei erwachte in den 1960ern, als man eine Gesamtfangmenge von 150 Millionen Tonnen abschätzte, die dem “Krillüberschuss” entsprach, der durch die starke Reduktion des Bestands an Bartenwalen entstand...

 

Management der Krill-Fischerei

Die CCAMLR, die 1982 als Teil der Antarktisverträge in Kraft trat, wurde von den Vertragsstaaten mit dem Ziel ausgehandelt, mit Ausnahme der Wale und Robben den Fang der marinen Arten im Südlichen Ozean zu regeln...

 

Ökologische Bedenken

Neuere Forschungen haben gezeigt, dass der Bedarf an Krill in einigen Regionen des Südwestatlantiks beginnt, das Angebot zu übersteigen, was dazu führt, dass Pinguine und Albatrosse Schwierigkeiten haben, ihren Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen...

 

Überwachung, Kontrolle und Beobachtung

Obwohl man inzwischen dem Krill im Südlichen Ozean eine Schlüsselposition zuerkennt, nimmt die Krillfischerei in Bezug auf die meisten grundsätzlichen Regelungen für die Fischerei im Südlichen Ozean immer noch eine Sonderstellung ein...

 

Der Markt für die Krill-Produkte

Frühere Analysen der Krillfischerei und des Markts für Krillprodukte haben Anzeichen für eine bevorstehende Ausdehnung der Fischerei von Antarktischem Krill ausgemacht. Die hauptsächlich treibende Kraft ist dabei die Erwartung eines größeren Bedarfs (...)

 

Expansionspläne: Neue Entwicklungen in der Krillfischerei

Nach der Zeit hoch subventionierter Krillfischerei besonders durch die ehemalige Sowjetunion und dem Rückgang der Fangmengen in den folgenden Jahren trat in den 90er Jahren eine „neue Generation” der Krillfischerei auf...

 

Die Autoren

 

Update 2015

In einem Artikel für das

Journal of Antarctic Affairs

gibt Rodolfo Werner erneut einen Überblick über die Herausforderungen beim Management der Krill-Fischerei, um die Verfügbarkeit der Nahrungsressource Krill für Pinguine in wichtigen Regionen zu erhalten:

Penguins and Krill - Life in a changing Ocean

pdf, 275kB, in englischer Sprache

Die vollständige Studie als pdf-Datei (867kB)

 

Literatur:

Constable, A.J. and Nicol, S. 2002. Defining smaller-scale management units to further develop the ecosystem approach in managing large-scale pelagic krill fisheries in Antarctica. CCAMLR Science, Vol. 9: 117-131.

Croxall, J.P. and Nicol, S. 2004. Management of Southern Ocean Fisheries: global forces and future sustainability. Antarctic Science 16 (4): 569-584.

Nicol S., Endo, Y. 1997. Krill fisheries of the world. FAO Fish. Techn. Pap. 367, FAO, Rome.