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Ein Meeres-Nationalpark und sein Beitrag zu Nachhaltiger Entwicklung

Eine Analyse am Fallbeispiel des Wakatobi Marine Nationalparks, Indonesien

 

Für fast ein halbes Jahr haben die Ethnologin Jessica Belke und der Geograph Jochen Kranik ihre hamburgische Heimat verlassen, um für ihre Abschlussarbeiten im indonesischen Südosten Feldforschungen durchzuführen. Der Sprung vom Schreibtisch in die reale fernöstliche Welt sollte helfen, das alltägliche Leben der heimischen Bevölkerung mit und in einem Meeres-Nationalpark genauer zu betrachten und den Problemlagen der zukünftigen Entwicklung auf die Schliche zu kommen. Besondere Aufmerksamkeit richteten sie dabei mit Unterstützung der Lighthouse Foundation auf die Wirkungen der mit der Einrichtung des Nationalparks angestoßenen Veränderungen und die Frage, wie eine nachhaltige Entwicklung messbar und darstellbar sein könnte.

 

Der Anbau von Rotalgen zur Gewinnung von Agar ist für die Region Wakatobi eine alternative Einkommensquelle.
Frischfisch muss schnell vermarktet werden. Überschüsse werden gesalzen, als Trockenfisch gelagert und teilweise nach Bau Bau verkauft.

Der Wakatobi Marine Nationalpark (WMNP), ein an den Kriterien Nachhaltiger Entwicklung orientierter Nationalpark in Südost Sulawesi, diente hierbei als konkretes Fallbeispiel. Belke und Kranik führten eine Reihe von Gesprächen mit der Nationalparkverwaltung, den Rangern, großen und kleinen Nichtregierungsorganisationen (NRO) sowie Tourismusunternehmen und machten unzählige Interviews mit einheimischen Fischern. Von zentraler Bedeutung war aber vor allem die teilnehmende Beobachtung vor Ort und die Befragungen in dem Seenomadendorf Sampela.

 

Kurz gesagt: Der WMNP ist leider nicht, wie erhofft, ein Paradebeispiel nachhaltiger Entwicklung - mit Sicherheit ist er aber ein ehrliches Beispiel und spiegelt die Probleme bei der Umsetzung der hochgesteckten Ziele der Agenda 21 wider.

1996 übernahm der Wakatobi Marine National Park die Verantwortung für die Konservierung und Nutzung des Schutzgebietes und ist somit im weitesten Sinne verantwortlich für den Wandel in der Ressourcennutzung, der eindeutig schädigend auf die nachhaltige Entwicklung wirkt. Denn nicht nur durch den Mangel an Geld, Personal und Know-how, sondern auch aufgrund von Korruption, zentralistischer Fehlplanung, Desinteresse, kultureller Disparitäten, Bürokratie, mangelnder Motivation und Kreativität hat der Nationalpark zu Fehlentwicklungen beigetragen.

 

Wenn auch auf den ersten Blick nicht viel Positives an dem WMNP ins Auge fällt, so tauchen bei näherer Betrachtung auf der Mikroebene doch immer wieder Lichtblicke auf, die hoffen lassen. So sind ganz verhalten einige Prozesse im Gange, die in der Zukunft Positives bewirken können. Hierbei ist insbesondere zu vermerken:

 

  • ein geschärftes Umweltbewusstseins der Bevölkerung
  • die Identitätsbildung und -stärkung der Bevölkerungsminderheit (Bajau)
  • die Bildung geeigneter Organisationsstrukturen
  • die Bildung von lokalen NROs
  • erste Ansätze von Partizipation
  • die Einhaltung und Akzeptanz der „No-fishing-zone“
  • die Stärkung alternativer Einkommensquellen

 

Diese positiven Ansätze bilden den berühmten Silberstreif am Himmel und lassen hoffen.

 

Indonesien weist das extensivste Netz von Schutzgebieten in ganz Südostasien auf, besitzt eine der vorbildlichsten Umweltgesetzgebungen überhaupt und sucht sich an dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu orientieren. Trotzdem sind Managementpläne in der Mehrheit der Nationalparks bislang nicht implementiert. Die Maßnahmen wurden, wenn überhaupt, nur halbherzig umgesetzt und sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene werden andere Prioritäten gesetzt. Notwendige Investitionen zum Schutz der natürlichen Systeme werden zunächst einmal als unökonomisch empfunden und nicht als Investition in die Zukunft gesehen.

 

In der Vergangenheit wurde vor allem mit ethischen Argumenten für die Belange der Umwelt argumentiert. So wurde vorwiegend versucht, nationale und lokale Entscheidungsträger mit der Vielfalt, der Einzigartigkeit und Schönheit der Ökosysteme zu überzeugen – und dieser Weg war bisher nicht besonders erfolgreich.

 

Vielmehr gilt es, den nicht erst langfristig, sondern unmittelbar wirksamen ökonomischen Vorteil des Ressourcenschutzes oder deren auf Dauer angelegte, also langfristig umweltgerechter Nutzung herauszuarbeiten. Analysen zum wirtschaftlichen Potential der Korallenriffe zeigen nicht nur, welche Potentiale das Meer und die Korallen bieten, sondern auch, welche volkswirtschaftlichen Verluste destruktive Fischfangpraktiken und Überfischung zur Folge haben. Die von der Natur quasi umsonst bereitgestellten Leistungen (z.B. Fischproduktion, Algeninhaltstoffe) und Funktionen (z.B. Selbstreinigungskraft des Wassers, Korallenriffe als Aufzuchtgebiete für marine Organismen) werden - und das nicht nur in Indonesien, sondern weltweit - immer noch zu wenig als in die wirtschaftliche Gesamtrechnung einzubeziehende Faktoren erkannt.

 

Die Studie von Belke und Kranik ist in voller Länge als pdf-Datei herunterzuladen.

 

 

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