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Die Straße von Moçambique

Madagaskar komplett: Eine Aufnahme von SeaWiFS vom 13.6.1999

Nördlich von Madagaskar erreicht der Südäquatorialstrom des Indischen Ozeans die afrikanische Küste. Er ist Teil eines windgetriebenen Strömungssystems, das sich entgegen den Uhrzeigersinn im Indischen Ozean zwischen Australien und Afrika dreht. Doch noch vor Erreichen der Küste teilt sich der Strom. Während der nach Norden strömende Zweig umgehend auf Gegenkurs Richtung Osten geht, umfließt der südwärts gerichtete Strom Madagaskar, die viertgrößte Insel der Erde.

 

Als warmer Mosambikstrom zwängt sich der küstennahe Zweig durch den Mosambikkanal zwischen Afrika und der Insel Madagaskar hindurch. Der Kanal entstand vor etwa 90 Mio. Jahren, als die Insel von Indien abriß, das nach Nordosten driftete. Auch das Maskarenen-Plateau ca. 700 km nordöstlich Madagaskars gelegen, dürfte ein verloren gegangenes Stück indischer Subkontinent sein.

 

Die meisten Inseln der Region verdanken ihre Entstehung dem Korallenwachstum. Vulkanischen Ursprungs sind dagegen die Maskareneninseln im Süden (Réunion, Mauritius, Rodriguez) und die Komoren im nördlichen Mosambikkanal.

 

Besondere Bekanntheit erlangten die Komoren-Inseln als Heimat der Quastenflosser, die in der Evolutionsforschung von großer Bedeutung sind. Aus einer Art, die früher im Süßwasser lebte, haben sich die ersten Landwirbeltiere entwickelt. Die knochenverstärkten Flossen gelten als Vorläufer der späteren Gliedmaßen. Frühere Quastenflosserarten waren auch die ersten, welche eine Lunge entwickelten. Insofern kann der Quastenflosser als Brückentier zwischen den Fischen und den Amphibien angesehen werden.

 

Bis 1938 hielt man die Quastenflosser für ausgestorben. Die Wiederentdeckung ist eine abenteuerliche Geschichte, die in Grzimeks Tierleben ausführlich geschildert wird:

 

Es war am 22. Dezember 1938. In East-London, einer Hafenstadt an der Ostküste Südafrikas, sah Miss M. Courtnay-Latimer, die Kustodin des städtischen Museums, sich interessiert ein paar Haie an, die ein Fischdampfer eingebracht hatte. Unter ihnen befand sich ein stark mitgenommener, ganz ungewöhnlicher Fisch, der mehr als anderthalb Meter lang war und 114 Pfund wog. Er war stahlblau, hatte große Schuppen, einen mächtigen Unterkiefer und fleischige Flossen, die wie Gliedmaßen abstanden. Er sah so merkwürdig aus, dass Miss Latimer es für das beste hielt, ihn zu konservieren.

 

Sie transportierte den schweren, schmutzigen, öltriefenden Fisch ins Museum und versuchte dort, seine Artzugehörigkeit festzustellen. Aber sie konnte in ihren Nachschlagewerken keinen ähnlichen Fisch finden. So machte sie von ihm eine Skizze und schickte sie an Professor J.L.B. Smith, den berühmten Fischkundler an der Rhodes-Universität in Grahamstown, Südafrika. Professor Smith, der über hundert Fischarten entdeckt und benannt hat, war wie vom Donner gerührt: "Ich wäre kaum erstaunter gewesen, wenn mir auf der Straße ein Dinosaurier begegnet wäre". Denn dieser Fisch hätte eigentlich schon mit den Dinosauriern ausgestorben sein müssen. Er war den Biologen nur aus versteinerten Abdrücken bekannt, die vor Jahrmillionen entstanden waren. Hier hatte man ein Lebewesen vor sich, das sich seit mindestens 60 Millionen Jahren kaum verändert hatte. "So unglaublich es schien", sagte Professor Smith, "ich musste den Fisch als einen Hohlstachler bestimmen. Zu Ehren von Miss Latimer nannte ich ihn Latimeria." Der Fisch erhielt den Artnamen chalumnae nach dem Fluss Chalumna, an dessen Mündung er gefangen wurde.

 

 

Ein zweiter Quastenflosser wurde erst im Jahre 1952 gefangen, nachdem Professor Smith auf Flugblättern, die er in allen Häfen aushängen hatte lassen, eine hohe Belohnung versprach. Es stellte sich später heraus, dass der Fisch bei den Bewohnern der Komoren schon längst unter dem Namen "Kombessa" bekannt war und auf ihrem Speisezettel stand. Im Jahre 1987 gelang es dem Verhaltensforscher Hans Fricke erstmals den Quastenflosser bei den Komoreninseln in 200 Metern Tiefe zu filmen. Am Ende des 20. Jahrhunderts wurde ein zweiter Lebensraum der Quastenflosser auf der anderen Seite des Indischen Ozeans, vor der Küste Indonesiens entdeckt.

 

 

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