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Mexiko: Nachhaltiger Tourismus an der Karibikküste

Die Amigos de Isla Contoy haben umgesetzt, was sie sich für 2012 vorgenommen hatten, mehr noch: es ist gelungen, zusätzliche Mittel einzuwerben und acht weitere Vorhaben im Themenbereich Biodiversität, Ökosysteme und Meeresressourcen anzuschieben. Einige dieser zusätzlichen Projekte haben also schon den Grundstein für die Arbeit im gerade begonnenen Jahr gelegt.

Ein Bericht von Catalina Galindo de Prince

 

Die Amigos de Isla Contoy (AIC) haben die guten Kontakte zu Bürgermeistern und anderen Funktionsträgern weiter entwickeln können. Schon im vergangenen Jahr haben sie unsere Veranstaltungen und Aktivitäten auf Isla Mujeres und Isla Contoy sehr unterstützt. Durch unsere Arbeit konnten wir zudem ein vertrauensvolles Verhältnis zum Bildungsministerium entwickeln und damit die Umsetzung unseres Bildungsprogramms in den Schulen erleichtern.

 

Durch eine starke Präsenz in der Gemeinde und bei kulturellen Veranstaltungen auf Isla Mujeres oder in der Innenstadt von Cancun, haben wir Einfluss und Wahrnehmung der Amigos und ihres Themas in der breiten Öffentlichkeit ausbauen können. Diese öffentlichen Auftritte mit Präsentationen unserer Ausstellungsreihe "Isla Contoy, ein Naturjuwel der mexikanischen Karibik" und des "Programms für die Erhaltung der Walhaie", das durch eine Serie von 25 lebensgroßen Nachbildungen mariner Lebensformen aus dem Museum sehr anschaulich ergänzt wird, hat im Nachhinein viele Türen in der staatlichen Verwaltung geöffnet. Die Minister für Kultur sowie für Bildung haben uns gebeten, unsere Präsentationen im ganzen Staat Quintana Roo zu zeigen. Die Gemeinde Isla Mujeres ist an uns herangetreten und hält eine ständige Ausstellung in der Innenstadt für wichtig für das Gemeindeleben mit positiver Wirkung für den Tourismus. Die beiden Ausstellungen mit dreidimensionalen Tierfiguren erhielten sehr gute Kritiken von den Touristen aus vielen verschiedenen Ländern, positive Kommentare kamen zudem auch von Wissenschaftlern.

 

Mit dem Zugvogel-Zentrum des Smithsonian Conservation Biology Institute in Washington, USA hat AIC eine Vereinbarung über das Angebot von Kursen zu tropischen Zugvögeln für Studierende auf der Isla Mujeres getroffen. Es ist ein Austauschprogramm mit Schulen aus verschiedenen Staaten im Nordosten der USA und wurde bereits von mehr als 350 Schülern sehr positiv aufgenommen.

 

AIC konnte sich und seine Arbeit in der Umweltbildung im September im spanischen Fernsehen in einer Produktion des Senders TV3 Spain aus Barcelona präsentieren. Ein Interview mit der Geschäftsführerin der AIC wurde im Onboard-Magazin En Viva der amerikanischen Fluggesellschaft Viva Airbus veröffentlicht.

 

Unterstützung der Cooperativa Vision-Mujer

Eine Voraussetzung zur Verbesserung der Fischproduktion ist das Wissen um den Stand der Technik, die technologischen Fortschritte und Trends, gerade auch im Hinblick auf die Gründung von Meeresfarmen für eine nachhaltige Nutzung der Küste und die Förderung der Beteiligung von Frauen an diesen Aktivitäten.

 

Lorena Lopez, Projekt-Koordinatorin der Cooperativa Vision-Mujer hat mit dem Regional Center for Fisheries Research (CRIP) eine Vereinbarung über die Ausbildung und Entwicklung von Initiativen getroffen, die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung fördern und die Umwelt schonen. Das CRIP präsentierte der Kooperative einen ersten Vorschlag für einen Kurs zur „Biotechnologie in der Langusten-Zucht“.

 

„Mit dieser Initiative wollen wir die Frauen bei der Langustenzucht (Panulirus argus) und der Nutzung dieser Ressource mittelfristig unterstützen. Sechs Teilnehmerinnen haben erstmals im Mai 2011 an dem 20-stündigen Kurs in der Fischereiforschungsstation von Isla Mujeres teilgenommen. Angesichts des Erfolgs des ersten Kurses, waren wir mit dem CRIP darin einig, dass Stipendien für die Teilnahme an den ausführlicheren und umfassenderen zweiten Teil des Kurses wichtig seien, damit die selbständigen Teilnehmerinnen eine finanzielle Entlastung erfahren und den Kurs besuchen können. So nahmen wir kontakt mit dem staatlichen Arbeitsamt von Quintana Roo auf und erhielten im September 2011 die Zusage der Kostenübernahme für 20 Stipendien.“

 

Der zweite Kurs umfasste 120 Stunden und hatte insgesamt 20 Teilnehmerinnen, die sich mit der Biologie der Art und den verschiedenen technischen Aspekten der Langustenzucht befassten. Diese Kurse sollen auch die Familie der Frauen einbeziehen, um die wirtschaftliche Aktivität zu stärken und ein wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. Auch sollen die Familienmitglieder sich aktiv beteiligen und zu einer Selbsthilfegruppe zusammen wachsen. Durch die Schulung erlangten die Teilnehmerinnen ein Zertifikat als Technikerin für diesen Fachbereich, mit dem sie sich entweder innerhalb der Kooperative weiterqualifizieren können oder nach Alternativen suchen können.

 

Die Mitglieder der Cooperativa Vision-Mujer werden an der Anwendung und Erweiterung der erworbenen Kenntnisse weiterarbeiten und planen einen dritten Ausbildungskurs für die Verwendung von Fischereierzeugnissen, wie z.B. der Panzer von Hummern für die Herstellung von Kunsthandwerk, mit dessen Produktion und Vertrieb kurzfristig ein Einkommen erzielt werden kann, während gleichzeitig an der Entwicklung von alternativen Produktionssystemen im Bereich Fischerei gearbeitet werden kann, z.B. der Produktion von Chitosan aus Krebsabfällen für Dünge- und andere Anwendungen.

 

Recycling auf Isla Mujeres und nachhaltiger Tourismus in der Region

Dank der hohen Qualität des Recycling-Programms für Isla Mujeres, dass AIC vor sechs Jahren begonnen hat und an dessen Umsetzung wir weiterarbeiten, konnte die Stadtverwaltung Gelder für den Bau eines Recycling-Centers, weitere Maschinen und einen LKW für die Abfallsammlung einwerben.

 

Im vergangenen Jahr haben wir 14 Touristenführer für den Isla Contoy National Park in Biologie und Ökologie der marinen und terrestrischen Systeme dieser Insel ausgebildet. Das Tourismusministerium hat uns gebeten, das Kursangebot bei der Bundesregierung registrieren zu lassen, so dass es Teil einer Zertifizierung für die Führer in Nationalparks und anderen Naturschutzgebieten werden kann.

 

AIC hat die guten Beziehungen zur Abteilung Unterwasserarchäologie des Nationalen Instituts für Archäologie und Geschichte von Mexiko (INAH) ausgebaut und die Feldarbeiten für das Projekt „Unterwasser-Museum Isla Contoy“ koordiniert, die Ausbildung der Tauchführer und die Forschung an den versunkenen Schiffen an den Küsten von Isla Mujeres und Isla Contoy logistisch unterstützt. AIC fungiert auch als Bindeglied zwischen dem Team von Unterwasser-Archäologen von der Universität Kiel und dem Team von Unterwasser-Archäologen des INAH.

 

Zwei Zuschüsse der deutschen Stiftung Futouris haben die Ausbildung von Tauchern von der Isla Mujeres zur Einführung in die wichtigsten Aspekte der Unterwasserarchäologie ermöglicht, die Herstellung von Repliken historischer Kanonen und Anker als Unterwasserexponate nahe Isla Contoy unterstützt sowie die Anfertigung entsprechende Informationstafeln im Besucherzentrum des Nationalpark Isla Contoy gefördert.

 

 

Es begann mit einer Ausstellung auf Contoy

Die Isla Contoy ist eines der wertvollsten ornithologischen Schutzgebiete Yucatans, die geschützten Gewässer sind auf Grund der herrschenden Strömungsverhältnisse fischreich und die angrenzenden Riffe bislang kaum vom Korallensterben beeinflusst. Seit 1961 bereits steht die Insel unter Schutz und erhielt 1998 den Status eines Nationalparks.

 

Contoy ist ein attraktives Ausflugsziel und lokale Reiseveranstalter laufen die Insel mit ihren Gästen aus Mujeres oder Cancun kommend täglich an. Zugelassen sind maximal 200 Besucher pro Tag, um Störungen für die Tierwelt gering zu halten. Die Boote landen in einer kleinen Bucht mit schmalen Strand, wo die Gäste von geschulten Rangern des Nationalparks in Empfang genommen werden. Bei ihnen können sie sich über den Park und seine Ziele und die Fauna und Flora der Insel informieren - oder einfach die Schönheit der Insel genießen.

 

Das Besucherzentrum gibt einen Überblick über den Nationalpark Isla Contoy und demonstriert moderne Techniken zur Ver- und Entsorgung.

Auf ihre Initiative wurde 2003 eine Ausstellung im Besucherzentrum der Isla Contoy mit Unterstützung der Lighthouse Foundation und der Europäischen Union ausgebaut. Auf großflächigen Tafeln und mit anschaulichen Modellen werden die vielfältigen Lebensräume und Besonderheiten des Nationalparks vorgestellt. Zudem bietet der Aussichtsturm des Besucherzentrums – mit Fernglas oder ohne – eine imposante Aussicht über die Insel. Nach dem Aufstieg über die zahlreichen Stufen ist die angenehme Meeresbrise eine willkommene Abkühlung.

 

Schrittweise umgestellt wurde auch die Energieversorgung vom Dieselgenerator auf die Nutzung der Solar- und Windenergie. Die Trinkwasserversorgung wird durch die Aufbereitung des Regenwassers sichergestellt und alle Abwässer einer effizienten Klärung zugeführt. Contoy ist dadurch zu einem Schaufenster für umweltgerechte Technik geworden.

 

Mülltrennung und Recycling auf Isla Mujeres

Besonders wichtig ist den Amigos die Information und Schulung der Kinder.

Auch wenn die Isla Contoy weit vor der Küste liegt, bleiben die Strände des Nationalparks nicht von angeschwemmten Müll verschont. Eine Quelle für Plastikabfälle ist die benachbarte Isla Mujeres mit ihren zahlreichen Hotels und Restaurants und die Abfallbehandlung ist für die Gemeinde ein beachtliches Problem. Die Amigos de Isla Contoy engagieren sich für die Einführung umweltgerechter Verfahren mit organischen Reststoffen und Verpackungsabfällen, die auch beispielhaft in der Praxis demonstriert und langfristig realisiert werden. Isla Mujeres soll sich das Image „Nachhaltige Gemeinde“ erarbeiten und auch dadurch seine touristische Attraktivität sichern.

 

Ein wichtiger Schritt ist neben der Überzeugung der Gemeindevertreter die Motivierung der Bevölkerung, an der Abfallsammlung und Abfalltrennung in organische und anorganische Fraktionen teilzunehmen. Die dazu notwendige Informationsarbeit wurde von den Mitgliedern der Amigos de Isla Contoy, ausgestattet mit kleinen Informationsschriften, im persönlichen Gespräch an der Haustür geleistet.

 

Nachdem bereits ein genauere Analyse des Müllaufkommens und dessen qualitativer Zusammensetzung in Zusammenarbeit mit der Universität Cancun erfolgt und ein zentraler Müllplatz von der Gemeinde eingerichtet ist, wurde ein Gemeinschaftsprogramm zur Trennung und Sammlung wieder verwertbarer Materialien erarbeitet. Gleichzeitig wurden die Möglichkeiten zur Reduzierung der täglichen Abfallmenge insbesondere mit der Gastronomie diskutiert.

 

Die Ergebnisse der geleisteten Arbeit, die beabsichtigten nächsten Arbeitsschritte und die Anforderungen an die Gemeinschaft wurden auf verschiedenen Veranstaltungen der Bevölkerung vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Kinder und Jugendlichen gerichtet, denen in mehreren Seminaren und Veranstaltungen der Umgang mit dem Müll auch spielerisch und mit Kreativität nahe gebracht wurde. Dazu gehörte auch die aktive Beteiligung an der Sammlung von Abfällen in der freien Landschaft im Rahmen von so genannten Beach-clean-ups. Die Beteiligung der Schulen und Kindergärten hat sich als besonders hilfreich gezeigt, um über die Kinder und Jugendlichen auch an die Elterngeneration herantreten zu können.

 

 

Etwa 30 Kilometer nördlich der Isla Mujeres liegt Isla Contoy an der Ostspitze Yucatans, beide Inseln nicht weit entfernt von Cancun, einem der großen Touristenzentren an der mexikanischen Karibik.